Dienstag, 15. März 2016

Doppeltes Leseglück

Zwei auf einen Schlag: heute kommen sowohl diejenigen auf ihre Kosten, die raffiniert konstruierte Krimis zu schätzen wissen als auch diejenigen, für die es etwas gefühliger sein darf. Hier kommen zwei tolle Bücher – inhaltlich völlig unterschiedlich aber gleichermaßen lesenswert und packend!

Fabio Volo: Lust auf dich
Fabio Volo kannte ich bereits von seinem Roman „Noch ein Tag und eine Nacht“, der mir damals sehr gut gefallen hat. Danach habe ich den Autor ein wenig aus den Augen verloren, aber mit „Lust auf dich“ konnte er wieder mein Interesse wecken.
Worum geht’s? Elena ist eine junge Frau, deren Leben vordergründig perfekt ist und alles hat: Uni-Abschluss, Ehe, Karriere, eine hübsche Wohnung... Aber wenn man hinter die Fassade blickt, sieht man, dass auf dem Weg dorthin irgendwo die Leidenschaft und Lust auf der Strecke geblieben sind. Als schließlich ein fremder Mann auf der Bildfläche erscheint, der Neugier und Phantasie in ihr wieder zum Leben erweckt, wagt Elena den Sprung – hinein in ein lustvolleres Leben.
Nein, keine Sorge – wir haben hier weder einen weiteren Abklatsch von „50 Shades“, noch ist der oben genannte Fremde der Ritter mit der goldenen Rüstung, der einem vor lauter Unfehlbarkeit und Rechtschaffenheit die Tränen in die Augen treibt. Vielmehr lässt sich Elena auf ein Arrangement und einen Typ Mann ein, wie man es/ihn auch im echten Leben antreffen könnte.  Man fühlt sich dadurch direkt in die Geschichte reingezogen und stolpert immer mal wieder über Szenen, die einem aus dem eigenen Leben oder dem von Freundinnen bekannt vorkommen (man denke nur an das Kopfkino, wenn „er“ sich nicht meldet oder einen versetzt).
Der Sprachstil ist sehr flüssig und fluffig, mein Lesetempo war – leider – ziemlich hoch und wenn ich mir andere Rezensionen in Erinnerung rufe, scheint das nicht nur mir so gegangen zu sein. Das Personal ist recht begrenzt, was es zusätzlich einfach macht. Die Geschichte ist übrigens auf zwei Ebenen erzählt: einmal haben wir die Tagebucheinträge, die Elena während ihrer Affäre geschrieben hat, und daneben die Elena von „heute“, die sich im Nachhinein diese Einträge durchliest und über diese Zeit und die Person, die sie damals war, nachdenkt.  

Peter Swanson: The Kind Worth Killing
Auf Peter Swanson bin ich gestoßen, als ich über Neujahr in Dublin war und die dortigen Buchhandlungen quasi zugepflastert waren mit “The Kind Worth Killing“. Irgendwann konnte ich einfach nicht länger an diesem prägnanten Buchcover vorbeilaufen und der Rückseitentext hat meine Neugier zusätzlich geschürt: On a night flight from London to Boston, Ted Severson meets the stunning and mysterious Lily Kintner. Sharing one too many martinis, the strangers begin to play a game of truth, revealing very intimate details about themselves. Ted talks about his marriage that’s going stale and his wife Miranda, who he’s sure is cheating on him. But their game turns a little darker when Ted jokes that he could kill Miranda for what she’s done. Lily, without missing a beat, says calmly, “I’d like to help.” After all, some people are the kind worth killing, like a lying, stinking, cheating spouse…
Was mit einem bösen kleinen Gedankenspiel auf einem Langstreckenflug zwischen London und Boston beginnt, nimmt schon nach wenigen Seiten Fahrt auf und der Plot dreht und wendet sich, dass es eine wahre Freude für jeden Krimifan ist! Die Seiten fliegen nur so dahin und ab ungefähr der Hälfte stecken wir in einem richtigen Katz-und-Maus-Spiel und man weiß als Leser nicht mehr, wer hier die Guten und wer die Bösen sind. Manchmal stand mir vor Verblüffung der Mund offen, teilweise musste ich ungläubig grinsen – an Überraschungen mangelte es jedenfalls nicht. Bisher gibt es den Krimi nur auf Englisch, durch seine klare und schnörkellose Sprache ist er aber sehr leicht lesbar.


Tja, meine Lieben, was soll ich sagen?! Für beide Bücher gibt’s von mir die Bewertung 5/5!