Dienstag, 10. November 2015

Henriette Hell: Achtung, ich komme!

So, meine Lieben – heute geht’s mal ans Eingemachte: Let’s talk about Sex! Vor einigen Tagen hatte ich „Achtung, ich komme“ als Rezensionsexemplar im Briefkasten (vielen Dank an Blanvalet!) und habe mich auf der Bahnfahrt zur Arbeit auch direkt ans Werk gemacht. Und so viel kann ich direkt mal verraten: das Lesevergnügen war groß!

Worum geht’s? Henriette Hell liebt Sex und ist äußerst experimentierfreudig. Dass sie beim normalen Rein-Raus keinen Orgasmus bekommt, ist für sie kein Drama – für die Herren der Schöpfung aber offenbar schon ... Die sind gekränkt, wenn es nicht klappt, und machen Stress. Das ist Henriette irgendwann zu blöd. Sie räumt ihr Konto leer und begibt sich auf eine Reise rund um die Welt. Der Plan: In jedem der bereisten Länder mit einem Einheimischen schlafen, um herauszufinden: Kommt man in anderen Ländern entspannter? Und ist der Stress rund um „the big O“ am Ende ein rein deutsches Problem?

Henriette macht sich also auf dem Weg von ihrem Hamburger Kiez in die große weite Welt: über Indien und Tibet Richtung Kairo und Tansania, ab nach New York, danach über Bangkok, Vietnam und die Türkei Richtung Frankreich, Peru und Italien. Im Fokus hat sie natürlich ihren Plan, in jedem Land Sex – möglichst mit einem Einheimischen – zu haben. Aber darüber hinaus lernt sie auch viel über sich selbst, über ihren Körper und über die Einstellung, die man in unterschiedlichen Ecken der Welt zu gewissen Dingen rund ums Lieben, Daten und Vögeln hat. Und genau das fand ich eigentlich viel spannender als die Frage, wo sich die vermeintlich besten Liebhaber tummeln und was genau diese so umwerfend macht.

Ich nenne mal zwei Beispiele: sicher ist den meisten bekannt, dass es in Indien in Sachen Dating und Liebe komplett anders abläuft als hierzulande. Man sucht sich seinen Partner nicht selbst aus, sondern wird von den Eltern verheiratet. Oft wissen Jungs und Mädchen schon im Kindesalter, wen sie später einmal heiraten werden – was nicht bedeutet, dass sie den künftigen Gatten bzw. die Ehefrau auch persönlich kennen. Darüber hinaus ist es Frauen verboten, einfach so einen  Mann auf der Straße anzusprechen, es sei denn, er ist beispielsweise Straßenhändler und sie kaufen etwas von ihm. Völlig andere Rahmenbedingungen also, als wir sie aus Deutschland kennen, und plötzlich wird die Sorge um die Orgasmusfähigkeit zum absoluten Luxusproblem.    

Auch was Henriette in Tansania erlebt, regt zum Nachdenken an. Sex-Tourismus kennt man ja meistens im Zusammenhang mit Männern: ab nach Thailand oder auf die Philippinen und dort eine möglichst hübsche Dame gekauft: für eine Nacht, für ein paar Tage – oder direkt für immer (oder zumindest, bis einer von beiden die Scheidung einreicht). In Afrika lernt Henriette den umgekehrten Fall kennen: deutsche Frauen, die den gängigen Schönheitsidealen hierzulande nicht entsprechen, werden dort vergöttert und haben abends beim Weggehen an jeder Hand drei potenzielle Verehrer. Und so mancher Dame ist dieses Gefühl des Begehrtwerdens ihren Jahresurlaub und einen großen Batzen Geld wert – und zwar über viele Jahre hinweg.

Es sind Betrachtungen wie diese, die mich das Buch förmlich aufsaugen ließen und die auch noch nach der Lektüre nachhallen und einen über gewisse Dinge nachdenken lassen.

Was die Autorin angeht… nun ja. Sie nimmt Drogen, von denen sie nicht weiß, was drin steckt (und die sie wiederum von Männern zugesteckt bekommt, die sie nicht kennt). Sie folgt Männern scheinbar völlig unbedarft und sorglos durch fremde Städte und Länder(auch mal mehreren auf einen Schlag)- in einem Moment sitzt sie noch gedankenverloren im Schlossgarten von Versailles, im nächsten kommt ein schöner Franzose des Weges und kurz darauf treiben sie es auch schon im nächstgelegenen Gebüsch. Ich will darüber nicht weiter urteilen, es ist ja quasi auch Prinzip des Buches und ihr Verhalten vielleicht Grundbedingung, damit ihr Vorhaben überhaupt erst gelingen kann…

Unterm Strich möchte ich euch das Buch auf jeden Fall gerne weiterempfehlen!

Bewertung: 4/5  

Montag, 2. November 2015

Sandra Grauer: Wo das Chaos hinfällt

Sandra Grauer kannte ich bereits von ihrem Roman „Schorle für dich“, den ich letztes Jahr im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks lesen durfte und der mir damals richtig gut gefallen hat. Daher musste ich auch nicht lange zögern, mich für die Leserunde ihres neuen Buches zu bewerben - und wurde auch direkt ausgelost.

Worum geht es? Haus, Hund, Mann und zwei Kinder: in Gedanken kann sich Buchhändlerin Laura das bereits in den schönsten Farben ausmalen. Aber in der Realität sieht es leider anders aus: 30, Single, kinderlos – aber immerhin mit Hund. Nach einem unverbindlichen One-Night-Stand von Hundedame Princess steht jedoch plötzlich Nachwuchs ins Haus. Der Welpenvater gehört ausgerechnet dem chaotischen Boris Albrecht, mit dem sich Laura schon in der Buchhandlung regelmäßig kabbelt. Da ihre Hündin aber ein geordnetes Familienleben haben soll, nimmt Laura Herrchen samt Hund in die Pflicht. Zwischen Ultraschallterminen und zerkauten Schuhen kommen Laura und Boris sich näher. Zwei Welten prallen aufeinander, und am Ende steht die Frage: Kann aus Ordnung und Chaos wirklich Liebe werden?

Man sieht schon anhand der Zusammenfassung: „Wo das Chaos hinfällt“ ist der klassische leichte Liebesroman mit relativ klarem Ausgang – aber der Weg zum Happy End hat mir großen Spaß gemacht! Sandra Grauer hat ein Händchen dafür, liebenswerte Charaktere zu erschaffen, die man am liebsten in den eigenen Freundeskreis aufnehmen möchte. Auch die Nebenfiguren sind sehr liebevoll angelegt und bekommen genügend Raum, sich wirklich als Charaktere zu entfalten und nicht nur als „schmückendes Beiwerk“ mitzulaufen. Man wird richtig in die Handlung rein gezogen und fühlt sich nicht nur als außenstehende Beobachterin, sondern mittendrin. Das schafft nicht jede Autorin.

Klare Leseempfehlung für alle, die ein Faible für Liebesromane mit einer großen Portion Humor und teilweise auch Situationskomik haben.

Bewertung: 4/5