Mittwoch, 6. Mai 2015

Mario Giordano: Tante Poldi und die sizilianischen Löwen

Vor ein paar Wochen erhielt ich farbenfrohe Überraschungspost von Bastei Lübbe: ein Exemplar von „Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ sowie ein paar tolle Bierdeckel mit einem Best of von Poldis markigen Sprüchen – da Poldi gerne mal einen zwitschert, fand ich diese Idee des Verlags wirklich sehr originell! Schon der erste Blick auf den Klappentext weckte meine Freude auf einen locker-leichten Sommerkrimi mit italienischem Flair, den ich dann auch bekam – leider kommt diese Rezension dennoch nicht ohne ein ABER aus. Doch erst einmal der Reihe nach…

Worum geht’s? Isolde Oberreiter, kurz: Poldi, will nach Sizilien, die Heimat ihres verstorbenen Mannes. Geschuftet hat sie im Leben genug, jetzt möchte sie es gemütlich ausklingen lassen. Und so bezieht sie an ihrem 60. Geburtstag ein charmantes Häuschen im verschlafenen Nest Torre Archirafi. Sie sagt: Um auf der Dachterrasse die Sonne, den Blick auf das Meer und den Ätna zu genießen. Ihre Familie sagt: Um sich vor schönem Panorama tot zu saufen. Gemeinsam mit ihrem Markenzeichen, einer riesigen schwarzen Perücke, bezieht sie also Stellung, aber wie es manchmal so ist im Leben: die Ruhe hält nicht lange vor, denn plötzlich verschwindet jemand. In diesem Fall ist es der junge Valentino aus der Nachbarschaft. Poldis detektivische Ader ist geweckt und trotz aller Promille findet sie eine heiße Spur.

Kommen wir zunächst zum Positiven: Poldi ist wirklich eine Marke. Eine resolute Bayerin, wie sie im Buche steht, immer einen satten Spruch auf den Lippen. Meine Top 3:
 
"Und überhaupt gilt im Leben eh: Always overdress! Weil, alte Theaterregel: Dezenz ist Schwäche." 
"Oberste Regel des Erfolgs im Business für Frauen: wenn’s ernst wird, immer Rock, immer Ausschnitt!"
"Und der Kriminalkommissar ist die höchste Erscheinungsform des Menschen. Die perfekte Synthese aus Gefühl und Verstand."

Mit dieser Frau kann man arbeiten, oder? Ihr könnt euch schon vorstellen, wie sie ihr sizilianisches Dorf aufmischt. Pluspunkte gibt es von mir außerdem für das tolle sizilianische Flair, das sich durch den Roman zieht. Ich war selbst vor ein paar Jahren auf Sizilien und habe mich beim Lesen sofort wieder dorthin versetzt gefühlt. Der Autor fängt die italienische Lebensart und das Wesen der Menschen toll ein.

Allerdings komme ich jetzt zum Aber: mir war die ganze Sache ein wenig zu konstruiert. Zunächst ist es nämlich so, dass nicht Poldi direkt als Erzählerin fungiert, sondern ihr Neffe, dem sie die ganze Geschichte bei einem Besuch erzählt und der sie dann wiederum uns erzählt. Warum es diese Zwischenebene braucht, verstehe ich nicht und ich habe sie auch als eher störend empfunden, da der Neffe nicht als wirklicher Charakter in Erscheinung tritt, sondern eher wie eine kleine Stolperfalle wirkt, wenn er sich alle 20-30 Seiten plötzlich wieder aus heiterem Himmel aus dem Off meldet. Das zweite, was mich etwas genervt hat, war das bemüht Bayrische. Dieser Aspekt war mir einfach ein wenig unentschlossen und nicht konsequent genug durchgezogen - und leider ist die Sprache eines Romans nun mal etwas ganz Essenzielles und ein wichtiges Kriterium dafür, ob man Gefallen an einem Roman findet oder eben nicht. Entweder ich lasse eine Figur wie die Poldi konsequent Hochdeutsch sprechen und überlasse es dem Leser, sich die richtige Tonspur zu denken - oder ich lasse sie konsequent Bayrisch sprechen. Leider hat der Autor eine etwas halblebige Mischform gewählt, die mich ziemlich im Lesefluss gestört hat, weil es sehr willkürlich wirkt, welche Worte Poldi bayrisch ausspricht und welche nicht, und es an vielen Stellen daher hinten und vorne einfach nur merkwürdig und unstimmig gewirkt hat.

Obwohl ich mich stellenweise gut unterhalten fühlte, wurde ich unterm Strich leider nicht komplett warm mit diesem Krimi.

Bewertung: 3/5

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen