Donnerstag, 16. April 2015

Paula Hawkins: The Girl on the Train

Puh, diese Rezension ist wirklich eine kleine Herausforderung. Wie bespricht man einen Krimi, über den man eigentlich einfach nur kurz und knapp sagen möchte „lest ihn!“  und über dessen Inhalt man wirklich nur die groben Eckdaten verraten kann, da man ansonsten sofort spoilert? Ich fange einfach mal mit dem an, was uns auch der Rückseitentext des Buches verrät: In „The Girl on the Train“ geht es zunächst um Rachel, die jeden Morgen mit dem Zug nach London pendelt. Jedes Mal hält der Zug für wenige Augenblicke an der gleichen Stelle und ermöglicht ihr von dort aus einen Blick in den Garten eines jungen Paares: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen ein scheinbar perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht und selbst vor nicht allzu langer Zeit verloren hat. Eines Tages beobachtet Rachel jedoch etwas, das ihrem zurechtgezimmerten Traumbild dieses Paares Risse verleiht – und liest kurz darauf in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau, daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei…

…und genau damit geht’s eigentlich erst so richtig los. Der weitere Fortgang der Handlung wird abwechselnd aus drei unterschiedlichen Perspektiven und auf zwei Zeitebenen erzählt: aus der Sicht von Rachel, aus der Sicht der verschwundenen „Jess“ und aus der Perspektive von Anna, der neuen Frau von Rachels Exmann. Der Leser merkt ziemlich schnell, dass in diesem Krimi nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint, sowohl was die Handlung angeht als auch die  einzelnen Charaktere. Wir haben drei Erzählerinnen, die manchmal vielleicht vertrauenswürdig sind – und an anderen Stellen wiederum überhaupt nicht. Schnell stellt man sich die unterschiedlichsten Fragen: Wer trägt welche Probleme und psychischen Abgründe mit sich herum, wem kann man trauen, wer hat welche Motive für Jess‘ Verschwinden – und wann laufen die beiden Zeitebenen zusammen bzw. was passiert dann? Das alles bleibt sehr lange im Unklaren und verleiht diesem Krimi daher eine richtige Sogwirkung, die einen geradezu von Seite zu Seite rennen lässt.

Paula Hawkins schreibt übrigens auch unter dem Pseudonym Amy Silver, was ich erst im Nachhinein erfahren habe. Von Amy Silver habe ich Anfang des Jahres bereits „Was bleibt, wenn du gehst“ gelesen und hier kurz meine Eindrücke wiedergegeben – auch in diesem Roman spielt sie sehr gekonnt mit unterschiedlichen Erzählperspektiven und Zeitebenen.

Mehr kann ich an dieser Stelle nun wirklich nicht verraten, will aber jeden Krimifan ermuntern, das Buch zu lesen. Ich habe es im englischen Original gelesen – wer es dagegen lieber auf Deutsch mag, wird ab 15. Juni bei Blanvalet fündig.

Bewertung: 5/5

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