Dienstag, 7. April 2015

Milena Moser: Das Glück sieht immer anders aus

Die Suche nach dem Glück, die Suche nach sich selbst und eine Reise durch Teile der USA – das alles steckt in Milena Mosers neuem Buch „Das Glück sieht immer anders aus“. Den Ausgangspunkt hierfür bilden mehrere Dinge: eine schwelende Midlife-Crisis angesichts des nahenden 50. Geburtstags, das Gefühl, ständig müde und ausgebrannt zu sein, dazu das Ende ihrer Ehe – und der lange gehegte Wunsch, einen Roadtrip durch die USA zu machen. Allein, ohne konkreten Plan in der Tasche und vor allem ohne Reisebegleiter. Einfach der eigenen Stimme folgend, die einem schon den richtigen Weg weisen wird. Nun: der Roadtrip schmolz letztendlich auf ein paar wenige Stationen zusammen und beinhaltete deutlich mehr „Personal“ als ursprünglich vorgesehen war – aber das eigentlich Brisante an diesem Buch ist ohnehin die Suche nach dem, was wirklich wichtig und glückbringend ist im Leben.

Ihre Gedanken, Sorgen, Ängste und Erkenntnisse hat Milena Moser zu einem extrem offenen, persönlichen und schonungslosen Buch verarbeitet. Schonungslos sich selbst, aber auch uns Lesern gegenüber. Es scheint, als wolle sie uns ihre Gedanken so intim und ungefiltert wie möglich mitteilen – bis hin zum mehrfach geäußerten „Gefühl, ein Fehler zu sein“, nicht gewollt zu sein auf und von dieser Welt.

Ich persönlich habe schnell gemerkt, dass ich das Buch auf mehreren Ebenen lese. Zum einen ist da Milenas ganz persönliche Geschichte, schwankend zwischen Trauer und emotionaler Erschöpfung einerseits und unglaublichem Kämpferwillen und Mut andererseits. Diese Ebene hat mich sehr berührt und  mir gleichzeitig auch das Gefühl gegeben, als Leserin respektiert zu werden, denn schließlich vertraut man so etwas ja nicht unbedingt Hinz und Kunz an.  

Die zweite Ebene sind die reinen Reiseerfahrungen und Schilderungen von Orten, zu denen die Autorin eine enge Bindung hat. Da ich selbst mehrfach in den USA war und zufälligerweise an einigen derselben Orte wie Milena Moser, konnte ich ihre Erlebnisse gut mit meinen eigenen abgleichen und dadurch viele Erinnerungen hervorkramen. Ich weiß genau, wovon sie redet, wenn sie den erbarmungslosen New Yorker Regen beschreibt, der von allen Seiten zu kommen scheint und es einem absolut unmöglich macht, dagegen anzukommen. Auch die berühmten Nebelschwaden San Franciscos und das Hippie-Flair von Santa Cruz kenne ich seit letztem Jahr.

Die dritte Ebene nenne ich jetzt mal „Sinnebene“, da mir kein treffenderes Wort dafür einfällt. Damit meine ich, dass ich immer mal wieder über Sätze stolperte, denen ich eine Weile nachhing, die mich dazu ermunterten, über mich selbst nachzudenken und die ich am liebsten dick unterstreichen wollte, weil sie so viel Wahres enthalten. Es ist wirklich toll, wenn ein Buch so etwas leisten kann und einem nicht „nur“ eine gute Geschichte liefert.

Klare Leseempfehlung für dieses Buch über die Suche nach sich selbst und dem, was einen glücklich macht; über die Liebe zu Partnern, Freunden und Häusern (ja, tatsächlich!) und über das Gefühl, in der Freiheit anzukommen.

Bewertung: 4/5

 

 

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