Donnerstag, 23. April 2015

Joanna Rakoff und Donna Leon - zwei besondere Schätze!

Wer diesen Blog auch nur mit einem Auge verfolgt, der weiß: das Lesejahr 2015 ist bisher ein sehr besonderes. Mit Houellebecq, Suter und McEwan hatten schon die ersten beiden Monate absolute Hochkaräter parat – aber was jetzt kommt, stellt diese Leseerlebnisse noch in den Schatten. „My Salinger Year“ von Joanna Rakoff (auf Deutsch erschienen bei Knaus unter dem Titel „Lieber Mr. Salinger“) hat mich wirklich umgehauen. Ich sage euch gleich ganz offen, dass ich keinerlei Ahnung habe, warum das so ist – weder haben wir hier einen ganz außergewöhnlichen Plot noch einen herausragenden Schreibstil oder eine besondere Art der Figurenzeichnung – aber ich wurde von der ersten Zeile an in dieses Buch reingezogen und nach dem letzten Satz mit glühenden Wangen und unglaublicher Zufriedenheit wieder ausgespuckt. Ich verliere daher gar nicht viele Worte, sondern sage nur: absolute, unumstößliche und drei Mal dick unterstrichene Leseempfehlung! Für wen es jetzt noch eine Rolle spielt, worum es in diesem Roman überhaupt geht: Joanna Rakoff kommt 1996 als frischgebackene Literaturwissenschaftlerin frisch von der Uni weg nach New York und landet in einer Literaturagentur. Als Assistentin ihrer Chefin verbringt sie ihre Zeit zunächst damit, deren Briefe abzutippen und Anrufe entgegen zu nehmen – und außerdem die Fanpost des wohl wichtigsten Autoren der Agentur zu beantworten: J.D. Salinger. Wir begleiten Joanna Rakoff zwischen neuem Job, neuen Herausforderungen und neuen Bekanntschaften, und denken mir ihr über das Leben, die Liebe und die Literatur nach – ein richtiges Herzensbuch!


Kommen wir nun zum 24. Fall von Commissario Brunetti. Ich habe es ja schon öfter erwähnt: ich bin ein glühender Fan von Donna Leon und finde diese Dame einfach hinreißend. Falls ihr je die Gelegenheit bekommen solltet, auf eine ihrer Lesungen zu gehen: nehmt sie wahr! Charismatisch, messerscharf, hoch intelligent und puppenlustig: bei Donna Leon kommt man auf vielen Ebenen auf seine Kosten –  ebenso wie im neuesten Brunetti. Nachdem Leon zwischendurch eine kleine Durststrecke mit weniger gut gelungenen Romanen hatte, waren die letzten 2-3 Bücher wieder auf dem Niveau von Brunettis ersten Fällen. „Falling in Love“ habe ich während einer längeren Zugfahrt gelesen und wurde sofort in die Handlung reingezogen. Im Zentrum des Geschehens steht Flavia Petrelli, die wir bereits aus Brunettis erstem und fünftem Fall kennen. Als international gefeierte Opernsängerin kehrt Petrelli ins „La Fenice“, das altehrwürdige Opernhaus Venedigs, zurück und übernimmt die Hauptrolle in „Tosca“. Mit im Gepäck hat sie scheinbar einen glühenden Fan: bereits in London und St. Petersburg wurden ihr nach den Aufführungen gelbe Rosen auf die Bühne geworfen – in Venedig nun warten diese zusätzlich in ihrer Garderobe und vor der Tür ihres Apartments auf sie. Durch diese Vorfälle beunruhigt, wendet sich Petrelli an ihren alten Bekannten Brunetti, der ihre Sorgen zunächst abwiegelt. Dann häufen sich jedoch die Übergriffe auf Menschen, die Petrelli in irgendeiner Form nahe stehen… Wer nun einen packenden Thriller zum Thema Stalking erwartet, sei gewarnt: Donna Leon geht auch dieses Thema auf ihre gewohnt ruhige Art an und bemüht nicht die Art plakativer Schilderungen, wie wir sie von anderen Autoren kennen. Dennoch ist ihr ein spannender und sehr flüssig zu lesender Roman gelungen, den ich allen weiterempfehlen kann, die auch mal einen eher stillen Krimi zu schätzen wissen.  

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