Montag, 20. April 2015

Anna Quindlen: Ein Jahr auf dem Land

Ihre Karriere als Fotografin – längst über den Zenit hinaus. Ihre Ehe – geschieden. Ihr einziger Sohn – ist inzwischen aus dem Haus und steht auf eigenen Beinen. Für Rebecca Winter ist mit Anfang 60 klar: irgendwas muss sich ändern. Jahrelang konnte sie von den Einkünften eines sehr gelungenen Schnappschusses leben, der landauf, landab als Kunstdruck in zahlreichen Küchen und Wartezimmern hängt, aber allmählich versiegt auch diese Quelle und es ist Rebecca kaum noch möglich, die Stadtwohnung in Manhattan zu finanzieren. Die Lösung: raus aus der Metropole und ab aufs Land, zumindest mal für ein Jahr!

Und genau hier steigt der Roman ein. Wir befinden uns irgendwo im US-Bundesstaat New York auf dem platten Land, inklusive lauschigem Dorfleben, kleinem Café, klatschfreudigen Bewohnern, Natur pur, und allem, was sonst noch so dazu gehört. Eigentlich wirklich nett – und genau da sind wir auch schon bei dem Problem angelangt, das ich mit diesem Roman hatte. Es war irgendwie alles „nett“: die Schilderung des Dorflebens, die Sprünge in die Vergangenheit, als Rebecca Winter noch „jemand war“, die einzelnen Charaktere und der Erzählstil der Autorin – alles sehr „nett“ und manchmal auch wirklich unterhaltsam. Aber eben nur manchmal.

Obwohl ich diesen Roman durchaus nicht als schlecht bezeichnen würde und mir sogar sehr sicher bin, dass er viele Leserinnen glücklich machen wird, wurde ich nicht richtig warm damit. Ich kann nicht genau benennen, woran es gefehlt hat – der Funke ist einfach nicht übergesprungen, eine richtige Begeisterung für Handlung oder Figuren blieb bei mir aus. Dennoch finde ich, dass er eine schöne Geschichte transportiert, die mit einer wichtigen Botschaft verbunden ist: dass es nie zu spät ist, seinem Leben eine neue Richtung zu geben und sich – in Teilen – von dem zu lösen, was einen bisher ausgemacht (und stellenweise vielleicht auch gehemmt) hat. Dass es sicher etwas Mut benötigt, an gewissen Schrauben im Leben zu drehen und über seinen Schatten zu springen, dass dieser Mut jedoch durchaus belohnt werden kann. Oder wie es im Verlagstext formuliert wird: der unfreiwillige Landaufenthalt ist für Rebecca Winter kein Spaziergang im Central Park – und doch beschert er ihr eine unverhoffte Liebe, neue Inspiration und den Mut, unbekannte Wege zu beschreiten...

Vielen Dank an die DVA für das Rezensionsexemplar!

Bewertung: 3/5

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