Mittwoch, 11. März 2015

James Patterson: 14th Deadly Sin

James Patterson ist wohl einer der eifrigsten (und dabei auch erfolgreichsten) US-Autoren überhaupt. Die Bibliographie, die ich im hinteren Teil des Buches gefunden habe, listet an die 100 Bücher von Patterson auf, nahezu alles Krimis oder Thriller – viele davon sind gemeinsam mit Co-Autoren entstanden –, aber auch ein paar Jugendbücher (Patterson engagiert sich stark dafür, Kinder und Jugendliche ans Lesen heran zu führen). Obwohl Mister Patterson also bereits eine wahre Flut von Büchern auf den Markt geworfen hat, habe ich bisher keines davon gelesen – bis ich durch eine Leserunde bei Lovelybooks zu „14th Deadly Sin“ gelangte.

Worum geht’s? „14th Deadly Sin“ ist bereits der 14. Fall des “Women’s Murder Club” um Polizistin Lindsay Boxer und drei ihrer Freundinnen: Journalistin Cindy, Strafverteidigerin Yuki und Gerichtsmedizinerin Claire. Wer bei „Women’s Murder Club“ nun aber an eine betuliche Runde rüstiger Damen denkt – weit gefehlt. Wir haben es hier nicht mit cosy crime zu tun, sondern mit richtigen Thrillern – viel Blut, Schusswechsel und Geiselnahmen inklusive. Im aktuellen Fall ist das Quartett mit zwei verschiedenen Verbrechen konfrontiert: Eine Frau wird am helllichten Tag in einer belebten Gegend San Franciscos erstochen – und niemand sieht einen Täter. Gleichzeitig kommt es zu einer Häufung von Überfällen auf Drogenhändler und kleine Supermärkte – durchgeführt von Männern in Polizeiuniform. Wer steckt hinter dem Mord und wer sind die angeblichen Polizisten? Parallel dazu wechselt Yuki von der Staatsanwaltschaft zur Defense League, einer wohltätigen Organisation. In ihrem ersten Fall ist sie mit dem Mord an einem Jugendlichen konfrontiert – der gleichzeitig Zeuge bei einem der Polizistenüberfälle war…

Was einem direkt beim ersten Reinlesen ins Buch auffällt: die einzelnen Kapitel sind kurz (jeweils maximal vier großzügig gesetzte Seiten) und es folgen Schlag auf Schlag Ortswechsel oder Wendungen, sodass der Thriller stark an eine der allseits beliebten US-Crimeserien erinnert und etwas sehr szenenartiges bekommt. Das sorgt einerseits für gute Unterhaltung, da sich ständig und in kurzer Taktung etwas ändert, zieht andererseits jedoch auch nach sich, dass sich viele Szenen in zu kurzer Zeit in Wohlgefallen auflösen: Boxer spaziert beispielsweise unbedarft in das Haus eines bewaffneten Verdächtigen – eine Seite weiter ist die Situation bereits erledigt, Boxer wohlbehalten aus dem Haus heraus, samt festgenommenem Verdächtigen. Die aufgebaute Spannung entlädt sich also immer sehr schnell und die Handlung spielt sich auf sehr plakative Art und Weise ab – sämtliche Geschehnisse werden dem Leser auf dem Silbertablett präsentiert, auf psychologischer Ebene passiert eigentlich rein gar nichts, da der Autor gar nicht die nötige „Zeit“ hat, so eine Ebene aufzubauen. Das muss man mögen, wie die Meinungen innerhalb unserer Leserunde gezeigt haben.

Unterm Strich muss ich sagen, dass mein Urteil etwas zwiegespalten ausfällt: ich habe mich gut unterhalten gefühlt und kann mir durchaus vorstellen, mal wieder etwas von Patterson zu lesen – aber die ganz große Thrillerkunst ist es in meinen Augen nun auch wieder nicht. Wer gelegentlich Gerritsen, Slaughter & Co. liest, ist Besseres gewöhnt…


Bewertung: 3.5/5

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