Dienstag, 17. März 2015

Giampaolo Morelli: Verliebt in sieben Stunden

Wer "Verliebt in sieben Stunden" aufschlägt, stolpert zunächst einmal über folgenden Hinweis: „WARNUNG: Die in diesem Buch beschriebenen Verführungstechniken sind alle echt, und sie funktionieren.“ Na, das kann ja interessant werden, dachte ich mir. Denn wer – zumindest wenn man dem Klischee Glauben schenken will – wenn nicht ein attraktiver Italiener (man beachte das Autorenfoto!) sollte besser Bescheid wissen über Verführungstechniken?

Damit wäre das grundlegende Thema des Romans schon einmal verraten: es geht um Verführungskünste. Und in der Hinsicht kann unser Protagonist Paolo wirklich noch so einiges lernen. Nachdem er innerhalb von ein paar Stunden nicht nur seine Verlobte, sondern auch gleich seinen Job bei einer Wirtschaftszeitung verliert, steht er nämlich erstmal recht mutlos und alleine da. Ein Selbstmordversuch scheitert, verhilft ihm aber letztendlich zu seiner neuen Arbeitsstelle: statt für den Wirtschaftsteil schreibt er ab sofort für "Macho Man". Der Name der Zeitschrift ist Programm und so führt ihn der erste Rechercheauftrag in den Kurs „Die Kunst der Verführung“ – und damit auch zur resoluten Kursleiterin Valeria…

Was Paolo und seine Kursgenossen bei Valeria lernen, ist für den Leser zwar nicht revolutionär, in der Umsetzung aber stellenweise einigermaßen unterhaltsam, zum Beispiel wenn der ganze Kurs zu Übungszwecken auf Frauenjagd im Shoppingcenter geht. Und viel wichtiger: es zeigt Paolo endlich, wer er eigentlich sein kann, wenn er sich mal ein bisschen hinter sein äußeres Erscheinungsbild und sein Auftreten gegenüber Frauen klemmt. Am Anfang hat er nämlich rein gar nichts Verführerisches an sich, taumelt regelrecht durch die Handlung und möchten am liebsten einfach nur schnell zurück zur Ex und in die jahrelang eingefahrenen Handlungsmuster (--> sie kümmert sich um alles, er folgt widerspruchslos).

Bis er erkennt, wo er seine Prioritäten setzen sollte und welche Personen es wert sind, sie um sich zu scharen, dauert es seine Zeit – und der Weg dorthin wird von Autor Giampaolo Morelli auf unterhaltsame und locker-leichte Weise geschildert. Dass der Autor zugleich Schauspieler und Drehbuchautor ist, merkt man dem Roman leider an. Ich sage „leider“, weil er dadurch allzu gerne in Klischees abdriftet und man sich stellenweise ein wenig an Hollywood erinnert fühlt. Ich sehe es ihm zwar nach, denn mal ehrlich: das wahre Leben und das Wissen, wie solche Geschichten dort meistens enden, kennt jede von uns. In Büchern möchte man sich stattdessen ein wenig der Träumerei hingeben dürfen, dass es theoretisch auch anders kommen könnte. Aber: das alles hätte man auch etwas raffinierter und unvorhersehbarer konstruieren können. Barreau fällt mir da spontan als Kontrast ein: man ahnt zwar auch in diesen Romanen schnell, wie es ausgehen wird, aber der Weg dorthin ist überraschend, wendig und intelligent konstruiert. Bei Morelli dagegen bleibt es eher platt.

Mein Fazit daher: ein Roman, der gute Unterhaltung mit ein wenig italienischem Flair bietet und den man so eben mal wegliest – anschließend aber auch recht schnell wieder vergessen hat.

Bewertung: 3.5/5



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen