Dienstag, 24. März 2015

Antoine Laurain: Liebe mit zwei Unbekannten

Was ist es nur mit französischen Romanen, dass grundsätzlich eine ganz besondere Stimmung durch ihre Seiten schwingt und sie dieses ganz sonderbare Gefühl irgendwo zwischen Melancholie und unglaublicher Leichtigkeit in einem hervorrufen? Ich erlebe das nun seit Jahren, egal ob ich in der Unterhaltungsecke um Barreau, Gavalda und Legardinier unterwegs bin oder mit Modiano durch die Boulevards und kleinen Gässchen von Paris streife – und ich liebe es!

Umso erfreuter war ich, als ich in der Vorschau des Atlantik Verlags auf „Liebe mit zwei Unbekannten“ stieß. Es ist die Geschichte der Vergolderin (was für ein Beruf!) Laure und des Buchhändlers Laurent. Beide leben in Paris und sind sich noch nie begegnet. Eines Tages stößt Laurent auf dem Weg zur Arbeit auf eine elegante Frauenhandtasche, die scheinbar achtlos weggeworfen wurde, jedoch noch voller Inhalt ist, der sein Interesse weckt: besonders das rote Notizbuch macht ihn neugierig. Was ist das für eine Frau, die davon träumt, eine Affäre mit ihrem Kater zu haben? Die offenbar mit einem Mann zusammen ist, der sie langweilt? Die obsessiv darüber Buch führt, was sie mag und wovor sie Angst hat? Und die einen Roman Modianos mit persönlicher Widmung besitzt („… in Erinnerung an unsere Begegnung im Regen“)? Laurent ist fasziniert von dieser Unbekannten und muss sie unbedingt treffen – aber wie soll man jemanden in einer Metropole wie Paris finden, von dem man nur den Vornamen kennt?

„Liebe mit zwei Unbekannten“ ist ein relativ schlichter und stiller Roman – und das meine ich positiv. Die Handlung geht nicht großartig über das oben geschilderte „Mann sucht unbekannte Frau“ hinaus, und Antoine Laurain schildert dies in einer sehr klaren, schnörkellosen Sprache und verzettelt sich nicht in vielen Irrungen, Wirrungen und Wendungen, wozu sich andere Autoren bei diesem Plot eventuell hinreißen ließen. Schnörkel und abrupte Wendungen treten also völlig zurück, und zwar zugunsten einer sehr feinen Charakterzeichnung. Besonders Laure kommt dem Leser extrem nahe, obwohl sie deutlich weniger in Erscheinung tritt als Laurent. Doch durch ihre Einträge im roten Notizbuch offenbart sie quasi alles von sich: ihre tiefsten Wünsche, ihre größten Ängste – nichts wird zurück gehalten. Ich habe selten einen Charakter erlebt, der so wenig präsent sein muss, um einem dennoch so nahe zu gehen. 

Auch der Humor des Autors ist ein besonderer – nicht so marktschreierisch wie bei anderen Autoren, sondern eher subtil und mit Bedacht eingesetzt. Man klopft sich nicht auf die Schenkel vor Lachen, sondern wird eher zum Schmunzeln angeregt, was der Stimmung des Romans und seiner Charaktere auch viel gerechter wird. All das trägt dazu bei, dass diese Liebesgeschichte nie in den Kitsch abdriftet und man sie lesen kann, ohne unterwegs ständig mit den Augen zu rollen, weil mal wieder etwas allzu Offensichtliches passiert ist. Mit jeder gelesenen Seite wünscht man den beiden Hauptfiguren ein bisschen mehr, dass sie ihr Glück finden – ob miteinander oder auf welche Weise auch immer, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht :-)

Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar!

Bewertung: 4/5

Dienstag, 17. März 2015

Giampaolo Morelli: Verliebt in sieben Stunden

Wer "Verliebt in sieben Stunden" aufschlägt, stolpert zunächst einmal über folgenden Hinweis: „WARNUNG: Die in diesem Buch beschriebenen Verführungstechniken sind alle echt, und sie funktionieren.“ Na, das kann ja interessant werden, dachte ich mir. Denn wer – zumindest wenn man dem Klischee Glauben schenken will – wenn nicht ein attraktiver Italiener (man beachte das Autorenfoto!) sollte besser Bescheid wissen über Verführungstechniken?

Damit wäre das grundlegende Thema des Romans schon einmal verraten: es geht um Verführungskünste. Und in der Hinsicht kann unser Protagonist Paolo wirklich noch so einiges lernen. Nachdem er innerhalb von ein paar Stunden nicht nur seine Verlobte, sondern auch gleich seinen Job bei einer Wirtschaftszeitung verliert, steht er nämlich erstmal recht mutlos und alleine da. Ein Selbstmordversuch scheitert, verhilft ihm aber letztendlich zu seiner neuen Arbeitsstelle: statt für den Wirtschaftsteil schreibt er ab sofort für "Macho Man". Der Name der Zeitschrift ist Programm und so führt ihn der erste Rechercheauftrag in den Kurs „Die Kunst der Verführung“ – und damit auch zur resoluten Kursleiterin Valeria…

Was Paolo und seine Kursgenossen bei Valeria lernen, ist für den Leser zwar nicht revolutionär, in der Umsetzung aber stellenweise einigermaßen unterhaltsam, zum Beispiel wenn der ganze Kurs zu Übungszwecken auf Frauenjagd im Shoppingcenter geht. Und viel wichtiger: es zeigt Paolo endlich, wer er eigentlich sein kann, wenn er sich mal ein bisschen hinter sein äußeres Erscheinungsbild und sein Auftreten gegenüber Frauen klemmt. Am Anfang hat er nämlich rein gar nichts Verführerisches an sich, taumelt regelrecht durch die Handlung und möchten am liebsten einfach nur schnell zurück zur Ex und in die jahrelang eingefahrenen Handlungsmuster (--> sie kümmert sich um alles, er folgt widerspruchslos).

Bis er erkennt, wo er seine Prioritäten setzen sollte und welche Personen es wert sind, sie um sich zu scharen, dauert es seine Zeit – und der Weg dorthin wird von Autor Giampaolo Morelli auf unterhaltsame und locker-leichte Weise geschildert. Dass der Autor zugleich Schauspieler und Drehbuchautor ist, merkt man dem Roman leider an. Ich sage „leider“, weil er dadurch allzu gerne in Klischees abdriftet und man sich stellenweise ein wenig an Hollywood erinnert fühlt. Ich sehe es ihm zwar nach, denn mal ehrlich: das wahre Leben und das Wissen, wie solche Geschichten dort meistens enden, kennt jede von uns. In Büchern möchte man sich stattdessen ein wenig der Träumerei hingeben dürfen, dass es theoretisch auch anders kommen könnte. Aber: das alles hätte man auch etwas raffinierter und unvorhersehbarer konstruieren können. Barreau fällt mir da spontan als Kontrast ein: man ahnt zwar auch in diesen Romanen schnell, wie es ausgehen wird, aber der Weg dorthin ist überraschend, wendig und intelligent konstruiert. Bei Morelli dagegen bleibt es eher platt.

Mein Fazit daher: ein Roman, der gute Unterhaltung mit ein wenig italienischem Flair bietet und den man so eben mal wegliest – anschließend aber auch recht schnell wieder vergessen hat.

Bewertung: 3.5/5



Mittwoch, 11. März 2015

James Patterson: 14th Deadly Sin

James Patterson ist wohl einer der eifrigsten (und dabei auch erfolgreichsten) US-Autoren überhaupt. Die Bibliographie, die ich im hinteren Teil des Buches gefunden habe, listet an die 100 Bücher von Patterson auf, nahezu alles Krimis oder Thriller – viele davon sind gemeinsam mit Co-Autoren entstanden –, aber auch ein paar Jugendbücher (Patterson engagiert sich stark dafür, Kinder und Jugendliche ans Lesen heran zu führen). Obwohl Mister Patterson also bereits eine wahre Flut von Büchern auf den Markt geworfen hat, habe ich bisher keines davon gelesen – bis ich durch eine Leserunde bei Lovelybooks zu „14th Deadly Sin“ gelangte.

Worum geht’s? „14th Deadly Sin“ ist bereits der 14. Fall des “Women’s Murder Club” um Polizistin Lindsay Boxer und drei ihrer Freundinnen: Journalistin Cindy, Strafverteidigerin Yuki und Gerichtsmedizinerin Claire. Wer bei „Women’s Murder Club“ nun aber an eine betuliche Runde rüstiger Damen denkt – weit gefehlt. Wir haben es hier nicht mit cosy crime zu tun, sondern mit richtigen Thrillern – viel Blut, Schusswechsel und Geiselnahmen inklusive. Im aktuellen Fall ist das Quartett mit zwei verschiedenen Verbrechen konfrontiert: Eine Frau wird am helllichten Tag in einer belebten Gegend San Franciscos erstochen – und niemand sieht einen Täter. Gleichzeitig kommt es zu einer Häufung von Überfällen auf Drogenhändler und kleine Supermärkte – durchgeführt von Männern in Polizeiuniform. Wer steckt hinter dem Mord und wer sind die angeblichen Polizisten? Parallel dazu wechselt Yuki von der Staatsanwaltschaft zur Defense League, einer wohltätigen Organisation. In ihrem ersten Fall ist sie mit dem Mord an einem Jugendlichen konfrontiert – der gleichzeitig Zeuge bei einem der Polizistenüberfälle war…

Was einem direkt beim ersten Reinlesen ins Buch auffällt: die einzelnen Kapitel sind kurz (jeweils maximal vier großzügig gesetzte Seiten) und es folgen Schlag auf Schlag Ortswechsel oder Wendungen, sodass der Thriller stark an eine der allseits beliebten US-Crimeserien erinnert und etwas sehr szenenartiges bekommt. Das sorgt einerseits für gute Unterhaltung, da sich ständig und in kurzer Taktung etwas ändert, zieht andererseits jedoch auch nach sich, dass sich viele Szenen in zu kurzer Zeit in Wohlgefallen auflösen: Boxer spaziert beispielsweise unbedarft in das Haus eines bewaffneten Verdächtigen – eine Seite weiter ist die Situation bereits erledigt, Boxer wohlbehalten aus dem Haus heraus, samt festgenommenem Verdächtigen. Die aufgebaute Spannung entlädt sich also immer sehr schnell und die Handlung spielt sich auf sehr plakative Art und Weise ab – sämtliche Geschehnisse werden dem Leser auf dem Silbertablett präsentiert, auf psychologischer Ebene passiert eigentlich rein gar nichts, da der Autor gar nicht die nötige „Zeit“ hat, so eine Ebene aufzubauen. Das muss man mögen, wie die Meinungen innerhalb unserer Leserunde gezeigt haben.

Unterm Strich muss ich sagen, dass mein Urteil etwas zwiegespalten ausfällt: ich habe mich gut unterhalten gefühlt und kann mir durchaus vorstellen, mal wieder etwas von Patterson zu lesen – aber die ganz große Thrillerkunst ist es in meinen Augen nun auch wieder nicht. Wer gelegentlich Gerritsen, Slaughter & Co. liest, ist Besseres gewöhnt…


Bewertung: 3.5/5

Freitag, 6. März 2015

Liebster Award

Die liebe Franzi von Lovely Mix hat mich für den „Liebster Award“ nominiert, worüber ich mich sehr gefreut habe :-) Natürlich stelle ich mich gerne ihren Fragen und gebe euch damit einen kleinen Einblick in mein Leben abseits dieses Blogs:
1. Welches war das letzte Buch, das du gelesen hast, dass dich zu 100 Prozent überzeugt hat?
Ich muss sagen, das Lesejahr 2015 hatte bereits drei erste Highlights für mich: „Kindeswohl“ von Ian McEwan, „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq und „Montecristo“ von Martin Suter. Alle drei Bücher habe ich mit großer Begeisterung gelesen und alle haben mich noch lange nach der letzten Seite beschäftigt. Müsste ich mich auf eines davon festlegen, wäre es wohl der Suter.
2. Wo machst du am liebsten Urlaub?
Am liebsten bin ich in englischsprachigen Ländern unterwegs, allen voran in Irland und den USA. Aber auch den hohen Norden mag ich gerne, der schwedische Teil Lapplands ist wunderschön. Die große Sonnenanbeterin bin ich also nicht, wie ihr schon seht ;-)
3. Was war der bisher glücklichste Augenblick in deinem Leben?
Puh, ich durfte glücklicherweise schon einige sehr schöne Momente in meinem Leben genießen und möchte mich ehrlich gesagt auf keinen besonderen davon festlegen.
4. Wenn du einen Tag mit einem Buchcharakter verbringen könntest, welcher wäre es und warum?
Ich nenne jetzt mal Donna Leons Commissario Brunetti, da er die Romanfigur ist, die mich am längsten und häufigsten begleitet (ich habe jedes der über 20 Bücher gelesen) und ich jedes Mal, wenn ich ein neues Buch von Donna Leon aufschlage, das Gefühl habe, bei alten Bekannten anzukommen. Ich denke, es wäre ein Tag voller interessanter Unterhaltungen, gutem Essen und sicher auch einer Portion Ermittlungsarbeit :-)
5. Hast du schon immer gerne gelesen oder hat sich das erst später entwickelt?
Ich habe von klein auf gerne gelesen – schon als ich es überhaupt noch nicht konnte, saß ich manchmal ganz wichtig mit einem Buch in der Hand da und habe daraus „vorgelesen“. Der weitere Weg hat sich also schnell abgezeichnet ;-)
6. Was hörst du am liebsten für Musik?
Musik ist ein gutes Thema... Mein iPod und Handy gleichen auf diesem Gebiet allerdings ein wenig einem Friedhof: ich höre nämlich bevorzugt Musik der 60er und 70er (Kinks, CCR, Stones, Janis Joplin, Small Faces etc.) und wer den Lebensstil dieser Musiker kennt, weiß, dass nicht mehr viele davon übrig sind ;-) Die Stones halten sich noch wacker, aber dann wird es auch schon mau. Außerdem höre ich ab und an gerne Swingmusik der 20er/30er und da brauchen wir ohnehin nicht nach Überlebenden zu suchen ;-)
7. Könntest du dir vorstellen, irgendwann im Ausland zu leben und wenn ja wo?
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Für kurze Zeit habe ich das bereits mal ausprobiert (vier Monate Irland, zwei Monate New York) und auch längerfristig stelle ich mir das reizvoll vor. Mögliche Ziele wären Irland, England oder Skandinavien.
8. Welchen Hobbies gehst du neben dem Lesen sonst noch nach?
Ich gehe zwei Mal die Woche tanzen (Lindy Hop – das ist ein Swingtanz – und Discofox), außerdem mache ich regelmäßig Pilates und Barre-Training.
9. Was ist deine größte Schwäche?
Ich bin ungeduldig ohne Ende und habe außerdem keinerlei Begabung, in irgendeiner Form mit Zahlen umzugehen…
10. Was ist dein größtes Talent?
…dafür kann ich umso besser mit Worten und Texten spielen :-)
11. Welche Genres liest du am liebsten?
Ich drehe es mal um und nenne lieber die Genres, die ich nicht lese: Fantasy, Sci-Fi, historische Romane. Ansonsten nehme ich vom Roman über den hard-boiled Thriller bis zum Sachbuch alles in die Finger, wenn es sich für mich interessant anhört.