Montag, 9. Februar 2015

Tony Parsons: The Murder Bag

So viel gleich vorweg: „The Murder Bag“ (in deutscher Übersetzung erschienen unter dem Titel „Dein finsteres Herz“) ist nichts für zarte Gemüter. Wer hingegen auf rabenschwarze englische Krimis steht, in denen es gerne mal blutig zugeht und der Autor nicht mit detaillierten Beschreibungen von Tatorten geizt – der ist hier genau richtig und wird mit diesem Buch ein großes Lesevergnügen haben. 

Worum geht es? Vor zwanzig Jahren freundeten sich sieben privilegierte Jungen in der elitären Privatschule Potter‘s Field miteinander an. Nun stirbt einer nach dem anderen auf grausame Art und Weise. Das ruft Detective Constable Max Wolfe auf den Plan. Er folgt – mal im Alleingang, mal mit seinem Team – der blutigen Fährte des Killers von Londons Hinterhöfen und hell erleuchteten Straßen bis in die elitären Kreise von Internat, Militär und Politik. Mit jeder neuen Leiche kommt er dem Täter ein Stück näher - doch damit bringt er nicht nur sich selbst in tödliche Gefahr.


„The Murder Bag“ ist ein Krimi, der es in sich hat und dem Leser wenig Zeit gibt, zwischendurch mal kurz durch zu schnaufen. Parsons legt wirklich ein rasantes Tempo vor – von einer Zeile auf die nächste könnte es aus heiterem Himmel das nächste Opfer oder eine überraschende Wendung geben. Lediglich die Passagen, in denen auf sehr interessante Art und Weise die Polizeiarbeit – und ein wenig auch deren Geschichte im englischen Königreich – geschildert werden, nehmen ein wenig Tempo heraus (ohne dass die Handlung dabei an Spannung verlöre). Außerdem erfährt man viel über das Privatleben Wolfes, der immer zwischen seiner Rolle als alleinerziehender, liebevoller Vater und der des knallharten Ermittlers pendelt und irgendwie versucht, beidem so gut wie möglich gerecht zu werden. Als Leser begleitet man ihn in beiden Bereichen seines Lebens und bekommt so ein sehr umfassendes, vom Autor gut ausgearbeitetes, Bild.

Ein entscheidendes Kriterium ist bei einem Krimi für mich immer, wie gut es ihm gelingt, auch alte Krimi-Hasen vor Rätsel zu stellen. Man kennt das ja: je mehr Krimis man liest, desto gewiefter wird man selbst, und allzu oft ist das Ende schon lange vor der letzten Seite offensichtlich. Ganz anders bei Parsons. Auch hier ahnt man zwar früh, welches Motiv hinter den Morden stecken könnte – aber die letztendliche Auflösung war für mich dennoch eine Überraschung. 


Ein toller und rasanter Krimi, der Lust macht auf mehr von Tony Parsons, auf mehr über DC Wolfe. Einen kleinen Abzug gibt es, weil mir ein paar der Erzählstränge überflüssig vorkamen und nicht sauber ausgearbeitet waren. Außerdem kam mir die Auflösung dann doch etwas abrupt, als hätte der Verlag die Vorgabe gegeben, den Roman auf eine maximale Seitenzahl runter zu kürzen und dann an den falschen
Stellen eingedampft. 
Nichtsdestotrotz möchte ich diesen Krimi jedem ans Herz legen, der es gerne deftig mag und/oder ein Faible für die englische Krimikunst hat.

Bewertung: 4/5

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