Freitag, 13. Februar 2015

Amber Dermont: In guten Kreisen

Ach Mensch, es hätte alles so schön werden können, die Bedingungen waren mehr als perfekt: "In guten Kreisen" von Amber Dermont ist ein Roman, der sowohl an der Ostküste der USA spielt (die ich kenne und sehr mag) und außerdem in einem Internat für den alten Geldadel – ein Milieu, in das ich gerne reinspicke. Aber leider kam es dann doch anders…

Worum geht’s? Neuengland, Ende der 80er-Jahre: Jason Prosper wächst in einer Welt auf, in der Geld keine Rolle spielt. Die Penthousewohnung in Manhattan ist ebenso selbstverständlich wie das Sommerhaus in Maine, der Besuch altehrwürdiger Schulen und Mitgliedschaften in exklusiven Segelclubs. Jason jedoch entzieht sich den Zwängen seiner Kreise am liebsten, indem er jede freie Minute segelnd auf dem Meer verbringt - zusammen mit seinem besten Freund Cal. Als dieser sich jedoch das Leben nimmt, gerät Jasons Welt aus den Fugen: Vollkommen aus der Bahn geworfen, wechselt er an die Bellingham Academy, ein teures, freizügiges Internat an der Atlantikküste. Hier begegnet er Aidan, einer eigenwilligen Außenseiterin, die Jason fasziniert und ihm neuen Auftrieb gibt. Als die Küste Neuenglands von einem schweren Orkan getroffen wird, kommt es jedoch erneut zu einem großen Einschnitt in Jasons Leben.

So weit, so gut. Leider bin ich weder mit Jason noch mit sonstigen Charakteren oder der Handlung an sich warm geworden. Jason selbst flutschte mir durch die Art, wie die Autorin Amber Dermont ihn zeichnet, regelrecht durch die Finger – einerseits hat er sympathische Züge und ist auch nicht mit der gleichen Überheblichkeit und Arroganz "gesegnet" wie einige seiner Schulkameraden, aber dennoch stößt man sich irgendwie an Jason und wird nie richtig schlau aus ihm.

Der Roman als Ganzes verzettelt sich für mein Empfinden in zu vielen Erzählsträngen, ohne dass einer davon als besonders wichtig heraussticht – soll man sich nun auf Jasons persönliche Entwicklung (losgelöst von Aidan etc.) konzentrieren, auf die Geschichte zwischen ihm und Cal, auf die zwischen ihm und Aidan, auf seine familiären Verhältnisse – oder soll man das Ganze als Bildungsroman lesen…? Ansätze sind zahlreich vorhanden und teilweise auch nicht uninteressant, aber nichts davon wird vernünftig ausgebaut, alles plätschert vor sich hin und dementsprechend lässt sich auch Jason so ein wenig durch die Handlung treiben.

Das hatte zur Folge, dass mir die ganze Handlung dann auch zu verzettelt und unfokussiert war, um mit irgendeinem der vielen Stränge warm werden zu können und ihm meine Aufmerksamkeit zu schenken. Mit jeder gelesenen Seite hatte ich den Eindruck, dass mir die einzelnen Charaktere zunehmend egal werden, da ja ohnehin niemandem davon eine wirklich tragende Rolle zukommt oder die Charaktere besonders gut ausgebaut werden - und leider ist auch keiner ausreichend sympathisch, um sich näher für ihn oder sie zu interessieren. So sehr ich es mir auch gewünscht hätte: die Figuren bewegten mich nicht, ich folgte ihnen eher teilnahmslos.

Erschwerend hinzu kommt das Setting: diese Ansammlung verwöhnter und versnobbter Kinder, eine Schule, die nur auf den Schein und ihren Ruf bedacht ist, (nahezu) überall nur Gefühlskälte, Berechnung und Gemeinheiten - man hat es wirklich nicht leicht, hier wohlwollende Gefühle zu entwickeln. Im Großen und Ganzen muss ich daher sagen: schöne Grundidee, interessante Ansätze – aber letztendlich war es mehr Leselast als Lesevergnügen für mich. Schade. 

Bewertung: 1/5



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