Sonntag, 4. Januar 2015

Tom Hillenbrand: Tödliche Oliven

Tödliche Oliven“ ist bereits der vierte Fall für Xavier Kieffer, Koch und Gourmet aus Luxemburg. Den ersten, „Teufelsfrucht“, habe ich vor ein paar Jahren regelrecht verschlungen – immer mit etwas Essbarem griffbereit, denn bei Kieffers Touren durch diverse Küchen und Sternerestaurants lief mir regelrecht das Wasser im Mund zusammen. Die beiden nachfolgenden Krimis, „Rotes Gold“ und „Letzte Ernte“ waren zwar okay, konnten mit Hillenbrands Debütroman für mein Empfinden aber dennoch nicht mithalten – ganz anders sieht es mit „Tödliche Oliven“ aus. Mit diesem Krimi kehrt Hillenbrand wieder auf das Niveau von „Teufelsfrucht“ zurück, sowohl was die Spannung und den Plot angeht als auch die Schilderung von allerlei Köstlichkeiten, die Kieffer im Zuge seiner Ermittlungen aufgetischt bekommt.

Worum genau geht es? Einmal im Jahr gönnt sich Xavier Kieffer einen Ausflug nach Italien. Gemeinsam mit seinem Schulfreund, dem Wein- und Ölhändler Alessandro Colao, reist er in die Toskana und fährt einige Tage und Weinproben später mit einem Laster voller Wein und Öl zurück nach Luxemburg. Diesmal wartet Kiefer jedoch vergeblich auf seinen Freund: Alessandro ist bereits Tage zuvor ohne ihn nach Italien aufgebrochen – und seither hat niemand etwas von ihm gehört. Der Koch macht sich auf die Suche. Aber statt Alessandro findet er eine verlassene Mühle, Tanks voll seltsam riechenden Olivenöls und bewaffnete Männer, die gerade Öl in einen Lastwagen pumpen. Hat der Ölhändler krumme Geschäfte getätigt? Kann Kieffer seinen Freund finden, bevor es zu spät ist?

Zum Glück bin ich kein allzu großer Fan von Olivenöl und kann auch den Früchten selbst nur wenig abgewinnen – dadurch konnte ich diesen Krimi relativ entspannt verfolgen (im ersten Fall ging es unter anderem um Käse, da sah die Sache etwas anders aus…). Aber dennoch hat mich der Kern der Handlung nachhaltig bewegt und auch stellenweise sprachlos gemacht. Im Prinzip lässt sich der Ausgangspunkt auf eine ganz einfache Formel herunterbrechen, die Kieffer auf der Suche nach seinem verschwundenen Freund zu hören bekommt: „Wir Italiener lieben unser Öl. Wir konsumieren 600 000 Tonnen im Jahr. Das Problem: wir produzieren nur 300 000.“

Rechnet man dann noch hinzu, wie viele Tonnen angeblich echten italienischen Olivenöls in den Supermärkten außerhalb Italiens herumstehen, kann man sich schon von alleine denken, dass irgendwas faul sein muss. Und je tiefer Kieffer bohrt, desto mehr stinkt die Sache dann auch zum Himmel: wir erfahren, dass so manches Olivenöl seine schöne Farbe nicht von den Früchten, sondern alleine im Chemielabor erhält oder so lange mit Soja- und Haselnussöl gestreckt wurde, dass Olivenrückstände nur noch mikroskopisch zu erkennen sind. Und natürlich – wir sind ja schließlich in Italien – hat auch die Mafia ihre Finger im Spiel.

Wie genau Alessandro nun in die Sache verwickelt ist und welche dubiosen Geschäfte sich mit dem schillernden Öl noch so veranstalten lassen, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Es selbst nachzulesen, lohnt sich aber auf jeden Fall. Tom Hillenbrand ist dafür bekannt, dass in seinen Krimis eine Menge gründliche Recherchearbeit steckt, und so dürfte auch in „Tödliche Oliven“ mehr als nur ein Funke Wahrheit stecken. Ein toller Krimi, der einem die Augen öffnet und zum Nachdenken anregt – und uns neben einer spannenden Handlung auch noch viel italienische Esskultur serviert. Klare Leseempfehlung!


Bewertung: 5/5 

Kommentare:

  1. Ja, auch ich habe Hillenbrands kulinarischen Krimierstling "Teufelsfrucht" regelrecht verschlungen. Sein Nachfolger "Rotes Gold" staubt schon eine Weile im Regal ein, weil er auch mich nicht wirklich überzeugen konnte. Ich hab ihn angelesen und das Gelesene war dann leider zu seicht, als dass ich es weiter verfolgen wollte. Dass du ähnliche Erfahrungen gemacht hast, lässt mich nun hellhörig werden und darauf hoffen, dass "Tödliche Oliven" tatsächlich an seinen Erstling anschließt. Kann ich es denn auch ohne die beiden Vorgänger lesen, oder fehlen mir dann ein paar notwendige Details? Ja, Hillenbrand recherchiert tatsächlich unheimlich akribisch für seine Bücher. Die Sache mit dem Käse hatte auch mich entsetzt und allerhand Fakten um die Pizzabeläge bzw. Tiefkühlpizzen im Allgemeinen auch. Nun denn, da wird ich mir das Buch wohl mal holen müssen. Neugierig hast du mich jetzt ja schon gemacht. Liebe Grüße, Steffi

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    1. Hi Steffi,

      ja, du kannst die beiden Vorgänger überspringen, alle wichtigen Personen wurden im ersten Band eingeführt. Ich wünsche dir viel Spaß mit den Oliven und hoffe, dass du ähnlich begeistert bist!
      Liebe Grüße,
      Kerstin

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