Donnerstag, 4. Dezember 2014

Petra Bock: MINDFUCK Love

Heute mache ich mal einen kleinen Ausflug zu den Ratgebern und habe mir dafür ein Thema ausgesucht, das wohl jeden von uns beschäftigt: die Liebe. Vermutlich gibt es kaum ein Thema, über das mehr geschrieben wurde und immernoch wird – vom Liebesroman über Gedichte und Dramen bis hin zum Ratgeber trägt quasi jedes Genre seinen Teil dazu bei, dass uns der Lesestoff nicht ausgeht.

Petra Bock nähert sich dem Thema nun mit ihrer Methode MINDFUCK. Mindfucks sind Denkmuster, die unsere persönliche Entfaltung hemmen und uns klein halten. Beispielsweise wenn wir versuchen, es anderen recht zu machen, und darüber hinaus unsere eigenen Bedürfnisse vergessen. Wenn wir uns selbst kritisieren und abwerten oder wenn wir still halten, wo wir eigentlich aufmucken sollten. Kurz gesagt: es sind kleine Störer, die uns daran hindern, unser wahres Potenzial zu entfalten.

Wie sieht das Ganze auf die Liebe übertragen aus? Petra Bocks Grundthese ist, dass wir in der Anfangsphase einer neuen Beziehung das wahre Potenzial dieser Liebe erleben, sie nennt es „die Essenz des Anfangs“: Jeder der beiden Beteiligten zeigt sich von seiner besten Seite, man ist offen, interessiert und neugierig gegenüber dem Partner, nimmt sich ausreichend Zeit füreinander und sorgt dafür, dass kleine Aufmerksamkeiten und Überraschungen in der Beziehung nicht zu kurz kommen. Und was passiert dann? Irgendwann kennt man den anderen und dessen Macken in- und auswendig, der Neuigkeitsfaktor der Beziehung ist verpufft, der Alltag macht sich immer breiter – und plötzlich ist der Wurm drin. Unzufriedenheit schleicht sich ein und man verfällt in gewisse Muster oder eben MINDFUCKS. Um nur drei kleine Beispiele zu kennen: ein MINDFUCK kann sich darin äußern, dass man das eigene Glück schlecht redet („Das kann doch sowieso nicht lange gutgehen, bald passiert irgendetwas Schlimmes“), die eigenen Interessen notorisch hinter die des anderen Stellt und dadurch für beide Seiten Unzufriedenheit sät oder den eigentlich geliebten Partner plötzlich überkritisch bewertet, weil er eben auch nur ein Mensch ist, was man in der Anfangszeit ja gerne mal verdrängt.

Petra Bock zufolge passiert das klassischerweise dann, wenn man an einer Schwelle steht. Ihre langjährige Erfahrung zeigt, dass Menschen „immer dann anfangen sich zu blockieren, wenn sie kurz vor einem wirklichen Durchbruch stehen. Wenn sie sich erlauben, etwas wirklich Großes und Wunderbares zu erleben und nicht nur darüber zu reden. Genau dann setzen die selbstsabotierenden Gedanken ein. Verrückt. Es scheint eine innere Grenze in uns zu geben, die das Gewohnte schützt“ (Seite 31).

Petra Bock analysiert diese Verhaltensmuster und liefert auch interessante Erklärungen für deren Zustandekommen – vor allem liefert sie jedoch auch interessante Ansätze, wie man mit ihnen umgeht und nicht zulässt, dass sie die Beziehung immer weiter in eine Negativspirale treiben. Da alle Theorie bekanntlich grau ist, veranschaulicht die Autorin ihre Thesen durch zahlreiche Fälle aus der eigenen Praxis (die es nebenbei gesagt gar nicht unbedingt bräuchte, denn beim Lesen fallen einem spontan genügend Beispiele aus dem eigenen Umfeld ein und plötzlich löst sich so manches Fragezeichen in Luft auf).

Ich muss sagen, ich hatte wirklich großen Spaß beim Lesen. Petra Bock schreibt kurzweilig und verständlich, sehr klar und auf den Punkt. Man kann ihrer Argumentation gut folgen und hat so manches Aha-Erlebnis. Klare Leseempfehlung!

Bewertung: 5/5

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