Dienstag, 16. Dezember 2014

Johanna Alba & Jan Chorin: Hosianna!


Der erste Satz: Ihre nackten Füße auf dem Marmorboden.
Wann und wo? Rom zur Weihnachtszeit

Hosianna!“ ist nach „Halleluja!“ und „Gloria!“ bereits der dritte Papst-Krimi von Autoren-Ehepaar Johanna Alba und Jan Chorin – für mich war es allerdings der erste (was sich bald ändern wird, so viel kann ich schonmal vorab verraten). Setting und Thema der Krimis sind denkbar gut gewählt, denn man merkt, wie heimisch sich die beiden Autoren mit beidem fühlen: Johanna Alba hat unter anderem in Rom studiert, wo sie in einer WG gleich hinter dem Vatikan wohnte, Jan Chorin ist Historiker und hat sich auf europäische Religions- und Geistesgeschichte spezialisiert.

Worum geht es? Weihnachtszeit in Rom. Doch bevor Papst Petrus zum besinnlichen Teil des Programms übergehen kann, sich Plätzchen schmecken lassen und Geschenke auspacken darf, muss erst einmal das Verschwinden des spanischen Priesters Juan aufgeklärt werden. Der wohnte seit Kurzem im gleichen Palazzo wie die Schwestern des Papstes und ist nun über Nacht plötzlich verschwunden. Wo könnte sich Juan befinden, ist er überhaupt noch am Leben – und wer hatte eigentlich ein Motiv, ihn aus dem Weg zu räumen? Der Palazzo beherbergt eine ganze Reihe kurioser Gestalten, die verdächtig erscheinen, und so ist der päpstliche Spürsinn schnell geweckt.

Die Coveranmutung lässt es bereits ahnen: in diesem Krimi geht es eher gemütlich zu, Fans von viel Blut und wilden Schießereien kommen eher nicht auf ihre Kosten. Aber wer ein bisschen cosy crime zu schätzen weiß und gerne Krimis mit Lokalkolorit, pointierten Dialogen und liebevoll-skurril gezeichneten Charakteren mag, der ist hier goldrichtig. Petrus ist ein Papst, wie man ihn sich wünschen würde: knattert gerne mit der Vespa durch Rom, zischt sein Bierchen auch mal direkt aus der Flasche, und verfolgt akribisch die Geschehnisse der italienischen Fußballliga. Das erzkatholische Kontrastprogramm bietet Schwester Immaculata, seine Haushälterin, mit der er sich so manchen verbalen Schlagabtausch liefert.  

Im Zentrum des Romans steht also das Verschwinden von Juan – und wie die beiden Autoren das aufgezogen haben, ist wirklich genial. Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen, und jede der Teilnehmerinnen war von der Auflösung des Falles völlig überrascht und von den Socken. Chapeau!

Aber auch was so alles um den eigentlichen Kriminalfall herum gestrickt oder damit verwoben ist, hat mich wirklich begeistert. Bei aller Heiterkeit, die durch die Seiten schwingt, werden auch Dinge thematisiert, die für die katholische Kirche und/oder Rom ein echtes Problem darstellen (das Zölibat und die Immobiliensituation beispielsweise) oder eng mit der Geschichte der Stadt verknüpft sind wie die Borgias. 

Mich hat dieser Krimi daher sowohl wunderbar unterhalten als auch zum Nachdenken angeregt – klare Leseempfehlung!

Bewertung: 5/5

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