Donnerstag, 27. November 2014

Marco Malvaldi: Toskanische Verhältnisse

Der erste Satz: Schon bevor man das Dorf erreicht, lässt die Straße nach Montesodi Marittimo wohl niemanden kalt.
Wann und wo? Irgendwann im Winter in Montesodi Marittimo, einem fiktiven Dorf in der Toskana

Wer in letzter Zeit ab und an hier oder auf meiner Facebook-Seite vorbeigeschaut hat, wird es bereits wissen: ich liebe Weihnachtsromane. Was ich aber fast noch mehr liebe, sind Romane, in denen Menschen eingeschneit werden (das absolut allerbeste sind natürlich Weihnachtsromane, in denen die Protagonisten eingeschneit werden – aber ich will es mal nicht übertreiben mit den Ansprüchen). Am häufigsten wird meine Lust auf Schneemassen natürlich in Kriminalromanen bedient, in denen so ein Eingeschneitwerden ungemein hilfreich sein kann, um den Plot richtig schön dicht und spannend zu machen. Man denke nur an „Mord im Orient-Express“ – der erste richtige Krimi, den ich irgendwann in recht zartem Alter in die Hände bekommen habe und dem seither nur sehr wenige Krimis das Wasser reichen konnten.

Auch „Toskanische Verhältnisse“ ist ein Krimi, allerdings würde ich ihn eher der Gattung „cosy crime“ zuordnen, von der man in letzter Zeit häufig liest. Worum geht es? Montesodi Marittimo ist ein Nest in den toskanischen Bergen: 812 Einwohner (Durchschnittsalter: 69 Jahre), 1726 Hühner – und eine große Besonderheit. Die Bewohner des Dorfes verfügen nämlich bereits seit vielen Generationen über ungewöhnliche Kräfte. Aus diesem Grund werden Piergiorgio Pazzi, ein junger Arzt, und Dr. Margherita Castelli, Forschungsangestellte in Romanischer Philologie, ins Dorf abbestellt. Gemeinsam sollen sie unter anderem mittels DNA-Tests herausfinden, wo der Schlüssel zu diesen unerklärlichen Kräften liegt.

Einer Dame aus dem Dorf, Signora Zerbi, passt das so überhaupt nicht in den Kram – aus gutem Grund: „In diesem Dorf trägt etwa ein Drittel der Kinder den falschen Familiennamen. In manchen Fällen ist das allgemein bekannt, in anderen wird es vermutet, in wieder anderen weiß keiner davon. Und manchmal ist es besser, dass diese Ungewissheit erhalten bleibt.“ Wir sehen also: es geht ums dörfliche Italien, um gut gehütete Geheimnisse und Vetternwirtschaft – und eventuell auch noch um ganz andere Dinge, die während der Ermittlungen erst noch ans Licht kommen müssen. Zum Beispiel, warum Signora Zerbi am Morgen ihres Todes eigentlich einen Notartermin gehabt hätte.

Ich habe es bereits eingangs erwähnt: bei Malvaldi bekommt man eher einen behaglichen Krimi, als Action, Verfolgungsjagden und Explosionen. Es wird gut gegessen und getrunken – wir sind ja schließlich in Italien -, geklatscht und getratscht, gemutmaßt und ermittelt, und zwischendrin fällt genügend Schnee, um das Dorf immerhin für den Zeitpunkt des Mordes von der Außenwelt abzuschneiden. Abgesehen von dieser Tatsache spielt der Schnee allerdings keine größere Rolle.

Unterm Strich hat mich dieser Roman gut unterhalten und ich empfehle ihn gerne weiter an Leser, die es eher gemütlich statt temporeich mögen, die gerne Lokalkolorit in ihren Büchern haben und die italienische Lebensart schätzen.

Bewertung: 4/5 

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