Montag, 17. November 2014

Lena Dunham: Not That Kind of Girl

Wann und wo? Hauptsächlich New York und Umgebung, 1986 bis heute
Der erste Satz: I am twenty years old and I hate myself. 

Ich muss ehrlich gestehen: ich sitze hier gerade einigermaßen ratlos – wie steige ich in diese Rezension ein, wie soll eigentlich am Ende mein Fazit aussehen? Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so zwiespältig zurück ließ. Aber mal der Reihe nach: vorab sollte ich vielleicht sagen, dass ich die ersten ca. 7 Folgen von Lena Dunhams Serie „Girls“ im amerikanischen Original gesehen habe, danach jedoch keinen Drang verspürte, mir auch weitere Folgen anzuschauen. Irgendwie fand ich das alles ein wenig befremdlich und weit weg von mir und meinem Leben – das sind Frauenserien zwar generell, denn wer lebt schon wie Carrie Bradshaw oder Serena van der Woodsen. Aber „Girls“ schreibt sich ja auf die Fahnen, das Leben der Twentysomethings – zu denen ich gerade noch so gehöre -,ihre Sorgen und Ängste abzubilden. Lassen wir das mal dahingestellt, ich fühlte jedenfalls weder mich noch die Gleichaltrigen, die ich so kenne, abgebildet.

Als die Vorankündigung zu Dunhams Buch kam, wurde ich dennoch hellhörig, denn aus irgendeinem Grund interessierte es mich brennend, wer genau die Frau hinter dieser Serie ist. Und da ich am Erscheinungstag gerade in den USA war, habe ich mir direkt ein Exemplar besorgt. Sofort positiv aufgefallen ist mir die Gestaltung: ein schnörkellos aber ansprechend gestalteter Schutzumschlag, richtig schnuckeliges Vorsatzpapier, witzige Illustrationen, schöne Typo – rein optisch ist das Buch wirklich gelungen.

Kommen wir zum Inhalt: Lena Dunham schreibt durchaus unterhaltsam. Ich habe das Buch gerne gelesen, stellenweise fast schon rauschartig. ABER: Irgendwie habe ich mich dabei manchmal gefühlt, als sei ich eine dieser Gafferinnen an einer Unfallstelle – eigentlich finden sie das, was es dort zu sehen gibt, unangenehm. Aber wegschauen können sie trotzdem nicht. Lena Dunham erzählt über sich und ihr Leben mit einer Konsequenz, die mich manchmal peinlich berührte. Kein Detail scheint ihr intim genug, um es nicht zu teilen. Man hat den Eindruck, als könne sie gar nicht genug davon bekommen, schreibenderweise blank zu ziehen. Und was sie dabei so über ihre Kindheit und Jugend erzählt, erzeugt bei mir ein Gefühl irgendwo zwischen Verstörtheit und Mitleid. Beispielsweise wenn sie erzählt, wie sie im Alter von fünf Jahren auf einer Kunstausstellung von einer Dame gefragt wird, was denn passiere, wenn sie unartig sei: „When I’m bad“, I announced, „my father sticks a fork in my vagina.“ Oder wenn sie von ihren ersten Sitzungen mit einer Psychotherapeutin berichtet – im Alter von acht Jahren. Dazu kommen bereits im Kindesalter Phobien aller Art (besonders vor Keimen, Viren und diversen Krankheiten), die sie so sehr plagen, dass sie irgendwann darauf besteht, sich die Weisheitszähne entfernen zu lassen, nur um für die Dauer der Narkose Ruhe vor ihren Gedanken zu haben. Auch das Verhältnis zu ihrem Körper, ihrer Sexualität oder allem, was männlich ist, ist von Kindesbeinen an gestört.

„Gleich und gleich gesellt sich gern“, hört man ja oft. Bei Lena Dunham ist es nicht anders. Die Menschen, die sie umgeben, sind ähnlich verkorkst und sonderbar wie Lena selbst – dieses Muster zieht sich von der Grundschule über die Highschool und das College bis zum Beginn ihrer Schauspielkarriere wie ein roter Faden durch ihr Leben. Manchmal will man einfach nur ins Buch fassen und dieses Mädel in den Arm nehmen.

Ich erwähnte es schon: dieses Buch lässt mich zwiegespalten zurück und ich habe das Gefühl, dass eine normale Bewertung irgendwo zwischen 1 und 5 Punkten an dieser Stelle keinen Sinn macht. Ich habe versucht, euch zu skizzieren, wie die Frau hinter dieser Autobiographie tickt – wen diese Zeilen neugierig gemacht haben, der sollte sich auf jeden Fall ermutigt fühlen, das Buch zu lesen. Ich empfehle das englische Original, aber wer es lieber auf Deutsch mag, wird hier fündig.

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