Dienstag, 18. November 2014

Klara Nordin: Totenleuchten

Der erste Satz: Frostige Kälte lag über der beschaulichen Kleinstadt nördlich des Polarkreises. 
Wo und wann? Jokkmokk am Polarkreis, Gegenwart
Das Accessoire zum Buch: heißer Tee und Wolldecke – es fröstelt beim Lesen!

Langsam aber sicher wird es Winter, die Temperaturen sinken, die Tage werden kürzer –  eigentlich also die perfekte Zeit für einen Krimi aus dem kalten und manchmal etwas düsteren hohen Norden. „Totenleuchten“ ist der erste Krimi von Klara Nordin und wie ich finde direkt ein toller Wurf! Klara Nordin heißt übrigens eigentlich ganz anders: hinter diesem Pseudonym verbirgt sich nämlich eine deutsche Buchhändlerin und Verlagsmitarbeiterin, die vor über zehn Jahren nach Schweden ausgewandert ist und inzwischen in Jokkmokk am Polarkreis wohnt, wo sie auch ihren Roman angesiedelt hat. Ich selbst war letztes Jahr auch im schwedischen Teil Lapplands unterwegs, wenn auch nicht ganz so weit oben, und muss sagen, dass es der Autorin wunderbar gelungen ist, diese ganz eigene Stimmung, die weite und unberührte Landschaft, das Klima und das Wesen der Menschen in ihrem Roman einzufangen.

Worum geht es genau? Bergeweise Neuschnee, zugefrorene Seen, samischer Wintermarkt – und mittendrin ein grausamer Mord an einem samischen Jugendlichen. Kurz zuvor ist bereits dessen bester Freund, der seit einem schweren Autounfall im Rollstuhl saß, auf sonderbare Art und Weise in einem See ertrunken. Hängen die beiden Todesfälle zusammen? Linda Lundin hat gerade ihren neuen Job als Hauptkommissarin in Nordschweden angetreten, einen solch schrecklichen Mord hat auch sie selten gesehen. Wer tötet einen Jungen, der im Dorf rundum beliebt war? Gemeinsam mit ihren Kollegen Bengt und Margareta nimmt sie die Ermittlungen auf und stößt im kleinen Jokkmokk auf kuriose Bewohner, samische Geschichten und dunkle Geheimnisse.

Es ist gar nicht so einfach, die Handlung zu umreißen, ohne viele Worte zu gebrauchen oder aber schon zu viel zu verraten. Klara Nordin hat hier wirklich einen sehr dichten Plot gewoben, interessante Wendungen und Zusammenhänge eingebaut. Auch wenn der Krimi unterm Strich eher „ruhig“ ist – wer auf Verfolgungsjageden, Herumgeballere oder Ähnliches steht, wird hier eventuell nicht so ganz zufrieden gestellt – hält sich die Spannung über das ganze Buch hinweg. Unterfüttert wird die Krimihandlung durch viele Geschichten über die Samen, ihre Bräuche und Lebensart. Auch die Landschaft und das Klima Lapplands spielen eine Rolle, was mir persönlich sehr gut gefiel.

Ich freue mich schon auf weitere Krimis von Klara Nordin und gebe eine klare Leseempfehlung für alle, die Krimis aus Skandinavien mögen oder es gerne haben, wenn das Krimi-Setting genauso kühl und frostig ist, wie einige der Charaktere :-)
 
Bewertung: 4/5

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