Montag, 20. Oktober 2014

Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung

Der erste Satz? Wir haben eine Buchhandlung gekauft.
Wann und wo? 
Wien zwischen 2004 und heute
Das Accessoire zum Buch: 
Ein freier Nachmittag - ihr werdet das Buch in einem Rutsch lesen wollen

„Ihr seid ja verrückt, wer kauft denn heutzutage noch eine Buchhandlung?“ – so oder so ähnlich ließen sich oftmals die Blicke  interpretieren, die Petra und Oliver Hartlieb zugeworfen bekamen, wenn sie von ihrer neuesten „Errungenschaft“ berichteten. Alles nahm seinen Anfang im Sommer 2004. Daheim in Hamburg herrschte Regenwetter, also ging es für zwei Wochen zu Freunden nach Wien. Zwischen Sonnenbaden und Heurigem dann irgendwann der Hinweis eines befreundeten Verlagsvertreters: in Wien hat gerade eine Buchhandlung geschlossen und steht zum Verkauf. Gute Lage, Stammkundschaft, große Wohnung direkt über dem Laden. Für zwei echte Bücherfreaks wie die Hartliebs ein allzu verlockendes Angebot. Nach einigem Rechnen und Überlegen folgte daher ein paar Wochen später das offizielle Gebot mit Enddatum 30. September, denn: „Wenn man eine Buchhandlung eröffnet, braucht man erst mal ein Weihnachtsgeschäft, um viel Geld zu verdienen. Wir sind zwar naiv, aber nicht dumm.“

Wie es die beiden geschafft haben, Anfang November (ja, wir reden immer noch über das Jahr 2004!) tatsächlich eine Buchhandlung zu eröffnen, wie sie das kommende und viele weiteren Weihnachtsgeschäfte gemeistert (man muss beinahe sagen „überlebt“) haben, und wie sich allmählich eine Stammkundschaft zusammenfand, die für viele lustige, kuriose und auch berührende Momente in der Währinger Straße sorgt, schildert Petra Hartlieb auf sympathische und überaus humorvolle Art und Weise. Sie plaudert über die gelungene Auswahl von Mitarbeitern („Ich wohn hier ums Eck und ich lese so gerne und wollte schon immer in einer Buchhandlung arb…“ „Wann kannst du anfangen?“ „Montag?“ „Okay, Montag um neun“), Buchbestellungen ohne automatische Datenübertragung und ausgereiftes Bestellsystem („Und wie durch ein Wunder kommen am nächsten Tag die Bücher“) oder auch ihre Nebenbeschäftigung als Krimiautorin (gemeinsam mit Claus-Ulrich Bielefeld veröffentlicht sie bei Diogenes die Krimis um das Ermittlerduo Bernhardt und Habel).   

Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass aus dem Spontankauf im Jahr 2004 inzwischen eine echte Erfolgsgeschichte wurde, inklusive zweitem Laden, liebevoll gestalteter Homepage und einer geradezu genialen Kundenzeitung (man muss übrigens nicht in Wien leben, um in ihren Genuss zu kommen – geht auch online über www.hartliebs.at). Einmal eingetaucht wird man sofort in die Welt von „Hartliebs Bücher“ gezogen und legt das Buch garantiert erst wieder nach der letzten gelesenen Seite – die viel zu früh kommt – aus der Hand. Ich hatte es an einem Nachmittag durch (leider!) und war danach nicht nur um ein sehr schönes Leseerlebnis, sondern auch um eine geplante Städtereise reicher. Im Frühjahr muss es unbedingt mal wieder Wien sein, und wo ich mich dort mit neuer Lektüre eindecke, ist ja wohl klar :-) 

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die Bücher und Buchläden mögen.


Bewertung: 5/5

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