Montag, 13. Oktober 2014

Donna Leon: By its Cover



Der erste Satz? It had been a tedious Monday, much of it spent with the written witness statements about a fight between two taxi drivers that had sent one of them to the hospital with concussion and a broken right arm. 

Wann und wo? Irgendwann kürzlich in Venedig
Das Accessoire zum Buch: Ein Gläschen vino biancho und etwas Essbares sollte zumindest greifbar sein - Brunetti isst gerne und viel, da kommt beim Lesen schon mal ein Hungergefühl auf ;-)


Brunettis neuester Fall klang direkt vielversprechend: gestohlene Bücher bzw. Buchseiten, eine altehrwürdige venezianische Bibliothek… Die ersten Seiten flogen nur so dahin, ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Dass wir einige Kapitel warten müssen, bis „endlich“ gemordet wird und stattdessen in der Zwischenzeit viel Lokalkolorit und Gespräche über dieses und jenes zu lesen bekommen, hat mich nicht gestört – im Gegenteil, gerade diese scheinbaren Nebensächlichkeiten sind es, die ich bei einem Krimi von Donna Leon erwarte und auf die ich mich auch jedes Mal freue, packt sie doch gerade in (und zwischen!) diese Zeilen immer wieder tolle Geschichten und Feinheiten, Sozialkritik und kulturelle Seitenhiebe. Zugegeben: das muss man mögen, manch ein Leser wird sich vielleicht eher gelangweilt fühlen. 

Mich jedenfalls hat sie auf dieser Ebene dieses Mal wieder komplett zufrieden gestellt – mehr als mit dem eigentlichen Kriminalfall. Da konnte sie meiner Meinung nach den Spannungsbogen nicht so ganz aufrechterhalten. Mir wurden zu viele Fäden ausgelegt und nachher nicht ausreichend wieder aufgenommen. Einiges verlief einfach im Sande, manche Charaktere wurden eingeführt und waren plötzlich verschollen oder nicht mehr wichtig. Hätte Leon diese Charaktere genutzt, um den Leser geschickt auf eine falsche Fährte zu locken, hätten sie meiner Meinung nach mehr Sinn gehabt – so wirkten sie einfach nur wie ein Füllsel. Und auch die Auflösung des Falls kam dann recht abrupt, das Ende wirkte fast ein wenig abgehackt. 

So bin ich also ein wenig zwiespältig: einerseits fühlte ich mich gut unterhalten, die Story war schön und flüssig zu lesen, aber was den reinen Krimiplot angeht, war ich nicht wirklich „gefordert“, und der Aha-Effekt am Ende blieb dieses Mal auch aus. Für mich macht das unterm Strich 3.5 von 5 möglichen Punkten.



Bewertung: 3.5/5

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