Mittwoch, 29. Oktober 2014

Jörn Birkholz: Schachbretttage

Der erste Satz? Mein Roman wurde veröffentlicht.
Wann und wo? Quer durch die Republik, jetzt irgendwann

Romane über Bücher, Buchhandlungen und den Literaturbetrieb an sich stehen seit dem Sommer ja ganz hoch im Kurs. Bivald, Hartlieb, St. Aubyn & Co. liegen stapelweise in den Buchhandlungen, und jeder Buchverrückte wird zumindest mal die ersten Seiten querlesen. Manchmal sind die Bücher einfach nur wunderbar, manchmal ist man leider etwas enttäuscht – und manchmal lässt einen die Lektüre ein wenig ratlos zurück. So ging es mir leider mit „Schachbretttage“ von Jörn Birkholt, erschienen im Folio Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank dafür!    

Worum geht es? Benedikt Buchholz, eigentlich Harz-4-Empfänger, hat ein Buch geschrieben – damit ist er aber leider nicht der Einzige. Bei jährlich knapp 100.000 Bucherscheinungen muss man entweder einen großen Namen haben, einen Verlag mit ordentlichem Marketingbudget – oder eben selbst aktiv werden. Das tut Buchholz dann auch. Er klemmt sich hinter den Hörer und klappert telefonisch die Bibliotheken und Buchhandlungen der Nation ab, um auf seinen Roman aufmerksam zu machen und Lesungen veranstalten zu dürfen. Als schließlich ein paar Termine beisammen sind, schnappt er sich seinen persönlichen Vorleser Viktor (ja, Buchholz mag nicht selbst lesen) und los geht’s. Die Lesetour führt die beiden durch Kleinstadtbibliotheken in der deutschen Provinz bis in ein Nobelhotel auf Rügen – wo dann plötzlich für die letzten knapp 30 Seiten die Handlung bricht und die Erzählperspektive wechselt.

Ich habe es ja schon eingangs vorweg genommen: so richtig warm wurde ich mit diesem Roman leider nicht. Die ersten Seiten, auf denen die Telefonate mit Buchhändlern und Bibliothekaren im Protokollstil wiedergegeben werden, lesen sich noch recht zügig und amüsant. Aber kaum geht die eigentliche Lesereise dann mal los, wird der Roman relativ rasch etwas zäh, da sich der Humor des Autors für meinen Geschmack leider recht schnell erschöpft und etwas zu bemüht wirkt. Mir ist klar, dass der Roman natürlich satirisch verstanden werden will, aber meiner Meinung nach rutscht er zu oft ins klischeehafte, beispielsweise wenn es um die deutsche Provinz und deren Kultureinrichtungen geht.

Laut Rückseitentext erzählt der Roman vom „Lebensgefühl der Thirtysomethings“ und dem „Zynismus junger Erwachsener“ – nun ja, ich bin froh, dass die Thirtysomethings und jungen Erwachsenen, die mich umgeben, anders ticken als Buchholz und Viktor… Der Zugang zu den beiden und ihrer Weltsicht ist mir jedenfalls nicht gelungen, für mich blieben sie unsympathisch und schnöselig.

Was den plötzlichen Umschwung in der Handlung angeht: ich gebe offen zu, dass ich nicht schlau daraus werde, wozu und weshalb plötzlich ein alter Mann vom Hotelbalkon in den Tod stürzen muss (keine Sorge, ich verrate hier nichts, was euch nicht spätestens der Umschlag des Buches verraten würde). Der neue Erzählstrang kommt aus dem Nichts, wird nicht weiter auf- und ausgebaut und endet dann auch wieder im Nichts.  

Wenn man die Rezensionen bei Amazon oder Lovelybooks anschaut, scheint der Roman durchaus seine begeisterten Leser zu finden – insofern: schaut rein, macht euch ein eigenes Bild und schreibt mir gerne hier ins Kommentarfeld, wenn ihr komplett anderer Meinung seid als ich :-)

Bewertung: 2/5

  

Montag, 27. Oktober 2014

Lauren Graham: Someday, Someday, Maybe

Der erste Satz? „Beginn whenever you’re ready“, comes the voice from the back of the house.
Wann und wo? 1995, New York City



Lauren Graham ist den meisten wohl besser bekannt als Lorelai Gilmore aus der US-Kultserie „Gilmore Girls“. Ich selbst habe mir keine Folge der sieben Staffeln  entgehen lassen und war entsprechend begeistert (wenngleich auch überrascht), als plötzlich ein Roman von Graham in den Buchhandlungen lag. Bisher gibt es ihn nur im englischen Original zu lesen, Ende Januar erscheint jedoch die deutsche Übersetzung unter dem Titel „Lieber jetzt als irgendwann“ beim Fischer Verlag.

Worum geht es? Wir schreiben das Jahr 1995, befinden uns in New York City und treffen dort auf Franny Banks, die mit einer Deadline im Nacken lebt. Vor zweieinhalb Jahren war sie in die Stadt gezogen, um ihre Schauspielkarriere voran zu treiben, und hat sich damals geschworen: wenn ich es innerhalb von drei Jahren nicht an den Broadway geschafft habe, hänge ich die Schauspielerei an den Nagel, werde Lehrerin, heirate meine Jugendliebe und ziehe wieder zurück in die Provinz. Leider ist ihre Bilanz bei Anbruch der letzten sechs Monate dieser Frist eher mäßig erfolgreich: alles, was Franny bisher ergattern konnte, sind ein paar Auftritte in schlechten Werbespots und eine Stelle als Kellnerin in einem heruntergekommenen Comedy-Club. All ihre Hoffnungen ruhen nun auf der kommenden Talentshow ihrer Schauspielklasse, bei der auch Agenten im Publikum sein werden.

Ganz getreu dem altbekannten Leitsatz „write what you know“ hat sich Lauren Graham für ihren ersten Roman also ein Thema ausgewählt, das ihr nur allzu gut vertraut ist. Sie selbst schauspielert seit der Grundschulzeit, hat Schauspiel studiert und ist anschließend (Anfang der 90er…) nach New York gezogen, war seither in Serien, Filmen und am Broadway aktiv. Man kann sich gut vorstellen, was sie in diesen Jahren so alles erlebt hat an kuriosen Jobs, bizarren Situationen beim Vorsprechen für eine Rolle, Enttäuschung, wenn es doch wieder eine Absage wurde, und dem Druck, der vor allem auf den Frauen im Business lastet, grundsätzlich dünn, bestens gelaunt und makellos zu sein. Diese Erfahrungen hat sie nun in ihren Roman einfließen lassen, und gerade darin liegt wohl auch sein Reiz: man bekommt als Leserin den perfekten Blick durchs Schlüsselloch von einer, die es wirklich wissen muss. Noch dazu schimmern immer mal wieder die „Gilmore Girls“ durch die Zeilen, denn die Dialoge im Buch sind genauso witzig und auf den Punkt, wie wir es aus der Serie kennen und lieben. Man merkt ihrem ersten Roman deutlich an, dass Graham in ihrem Schauspielerleben mit so manchen genialen Drehbuchautoren zu tun hatte und sich einiges von ihnen abschauen konnte.

Mir hat es viel Spaß gemacht, Franny durch den Roman zu begleiten und ich bin schon gespannt, wann es wieder etwas von Lauren Graham zu lesen gibt (ja, sie arbeitet bereits an einem neuen Roman). Klare Leseempfehlung für alle Fans der „Gilmore Girls“ sowie alle, die nach einem Roman suchen, der sich bei miesem Herbstwetter gemütlich weglesen lässt und die Laune hebt.     

Bewertung: 4/5


Mittwoch, 22. Oktober 2014

Florian Illies: 1913

Der erste Satz? Es ist die erste Sekunde des Jahres 1913.

Wann und wo? Januar bis Dezember 1913 – all over Europe.
Das Accessoire zum Buch: 
Irgendetwas Internettüchtiges, denn zwischendrin ist definitiv googeln angesagt. In der Rezension wird klar, warum.
Das Accessoire zum Buch: Irgendetwas Internettüchtiges, denn zwischendrin ist definitiv googeln angesagt. In der Rezension wird klar, warum.

Über dieses Buch wurden ja bereits zahlreiche Lobeshymnen ausgeschüttet – und jetzt komme auch noch ich hinterher, Eeewigkeiten nachdem das Hardcover erschienen ist und auch die Taschenbuchausgabe schon über zwei Monate in den Buchhandlungen liegt. Ich tu‘ es trotzdem, denn es muss einfach sein. Ich habe lange kein Buch gelesen, das mich so bedingungslos begeistert hat, und weil ich ihm so viele Leser wie möglich wünsche, will ich es an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung rufen für alle, die bisher nicht die Gelegenheit hatten, es zu lesen oder es irgendwo in den Untiefen ihres SuBs herumliegen haben.

Worum geht es? Ganz platt gesagt: um das Jahr 1913. Etwas differenzierter gesagt: es geht um Freud, Proust, Kafka, Lasker-Schüler, Stalin, Benn, das Ehepaar Schnitzler, Kokoschka, die Manns, Hitler, Rilke… die Liste ließe sich noch ewig erweitern, denn wir treffen gefühlt wirklich jeden, der zu dieser Zeit Rang und Namen hatte oder zumindest schon in den Startlöchern dafür stand. Aber vielmehr als das WER steht hier eigentlich das WIE im Vordergrund. Florian Illies hat kein Sachbuch geschrieben, er hat auch keinen Roman geschrieben. Es sind vielmehr unzählige kleine Episoden – manche nur eine Zeile kurz – die er mühevoll anhand von Tagebüchern und Aufzeichnungen recherchiert hat und hier nun chronologisch aufbereitet und zu einem bunten Mosaik aus Fakten und manchmal auch kleineren Mutmaßungen und Gedankenspielen verschmelzt („Vielleicht haben sich die beiden [Hitler und Stalin], von denen ihre Bekannten aus dieser Zeit erzählten, dass sie gerne im Park von Schönbrunn spazieren gingen, einmal höflich gegrüßt und den Hut gelüpft, als sie ihre Bahnen zogen durch den unendlichen Park.“).

Manches weiß man also sicher, bei anderem ist man ein bisschen im Ungewissen, aber eigentlich treten Kategorien wie „wahr“ oder „ausgedacht“ beim Lesen auch sehr schnell völlig in den Hintergrund. Man wird einfach nur mitgerissen von dem, was da so alles passierte in diesem „Sommer des Jahrhunderts“, wie es Illies nennt. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb das Buch als „gewaltigen Teaser“, und das trifft meiner Meinung nach voll ins Schwarze. Man will permanent mehr wissen, tiefer in die Hintergründe einsteigen, will die Gesichter zu den einzelnen Episoden sehen, mehr über die genannten Künstler erfahren, wissen, wie es für einige von ihnen nach 1913 weiterging... Was Illies hier macht, ist wirklich ganz großes Kino und verdient daher auch eine ganz große Leseempfehlung!


Bewertung: 5/5 

Montag, 20. Oktober 2014

Petra Hartlieb: Meine wundervolle Buchhandlung

Der erste Satz? Wir haben eine Buchhandlung gekauft.
Wann und wo? 
Wien zwischen 2004 und heute
Das Accessoire zum Buch: 
Ein freier Nachmittag - ihr werdet das Buch in einem Rutsch lesen wollen

„Ihr seid ja verrückt, wer kauft denn heutzutage noch eine Buchhandlung?“ – so oder so ähnlich ließen sich oftmals die Blicke  interpretieren, die Petra und Oliver Hartlieb zugeworfen bekamen, wenn sie von ihrer neuesten „Errungenschaft“ berichteten. Alles nahm seinen Anfang im Sommer 2004. Daheim in Hamburg herrschte Regenwetter, also ging es für zwei Wochen zu Freunden nach Wien. Zwischen Sonnenbaden und Heurigem dann irgendwann der Hinweis eines befreundeten Verlagsvertreters: in Wien hat gerade eine Buchhandlung geschlossen und steht zum Verkauf. Gute Lage, Stammkundschaft, große Wohnung direkt über dem Laden. Für zwei echte Bücherfreaks wie die Hartliebs ein allzu verlockendes Angebot. Nach einigem Rechnen und Überlegen folgte daher ein paar Wochen später das offizielle Gebot mit Enddatum 30. September, denn: „Wenn man eine Buchhandlung eröffnet, braucht man erst mal ein Weihnachtsgeschäft, um viel Geld zu verdienen. Wir sind zwar naiv, aber nicht dumm.“

Wie es die beiden geschafft haben, Anfang November (ja, wir reden immer noch über das Jahr 2004!) tatsächlich eine Buchhandlung zu eröffnen, wie sie das kommende und viele weiteren Weihnachtsgeschäfte gemeistert (man muss beinahe sagen „überlebt“) haben, und wie sich allmählich eine Stammkundschaft zusammenfand, die für viele lustige, kuriose und auch berührende Momente in der Währinger Straße sorgt, schildert Petra Hartlieb auf sympathische und überaus humorvolle Art und Weise. Sie plaudert über die gelungene Auswahl von Mitarbeitern („Ich wohn hier ums Eck und ich lese so gerne und wollte schon immer in einer Buchhandlung arb…“ „Wann kannst du anfangen?“ „Montag?“ „Okay, Montag um neun“), Buchbestellungen ohne automatische Datenübertragung und ausgereiftes Bestellsystem („Und wie durch ein Wunder kommen am nächsten Tag die Bücher“) oder auch ihre Nebenbeschäftigung als Krimiautorin (gemeinsam mit Claus-Ulrich Bielefeld veröffentlicht sie bei Diogenes die Krimis um das Ermittlerduo Bernhardt und Habel).   

Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass aus dem Spontankauf im Jahr 2004 inzwischen eine echte Erfolgsgeschichte wurde, inklusive zweitem Laden, liebevoll gestalteter Homepage und einer geradezu genialen Kundenzeitung (man muss übrigens nicht in Wien leben, um in ihren Genuss zu kommen – geht auch online über www.hartliebs.at). Einmal eingetaucht wird man sofort in die Welt von „Hartliebs Bücher“ gezogen und legt das Buch garantiert erst wieder nach der letzten gelesenen Seite – die viel zu früh kommt – aus der Hand. Ich hatte es an einem Nachmittag durch (leider!) und war danach nicht nur um ein sehr schönes Leseerlebnis, sondern auch um eine geplante Städtereise reicher. Im Frühjahr muss es unbedingt mal wieder Wien sein, und wo ich mich dort mit neuer Lektüre eindecke, ist ja wohl klar :-) 

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die Bücher und Buchläden mögen.


Bewertung: 5/5

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die Montagsfrage diese Woche mal am Mittwoch


Diese Woche geht es bei libromanie um E-Reader: habt ihr einen, und wenn ja - welchen?
Ja, ich habe seit gut zwei Jahren einen Kindle Touch. Angeschafft habe ich ihn mir damals aus rein pragmatischen Gründen: ich war acht Wochen beruflich in New York und stand vor der Wahl, entweder Klamotten oder eben Bücher in meinen Koffer zu packen :-)
Der Kindle wurde es deshalb, weil die anderen Lesegeräte damals einfach noch nicht auf einem vergleichbaren Niveau waren und weil ich außerdem sehr viele englische Bücher lese und Amazon in der Hinsicht das größte Angebot hat.

Nutze ich meinen Kindle regelmäßig? Nicht wirklich. Auf Reisen ist er nach wie vor sehr praktisch, aber ansonsten staubt er auch oft wochenlang zu Hause vor sich hin. Für mich geht nach wie vor nichts über das gedruckte Buch, das ich anfassen und riechen, in dem ich herumblättern und besonders tolle Stellen markieren kann.
Wie ist das bei euch?  

Montag, 13. Oktober 2014

Donna Leon: By its Cover



Der erste Satz? It had been a tedious Monday, much of it spent with the written witness statements about a fight between two taxi drivers that had sent one of them to the hospital with concussion and a broken right arm. 

Wann und wo? Irgendwann kürzlich in Venedig
Das Accessoire zum Buch: Ein Gläschen vino biancho und etwas Essbares sollte zumindest greifbar sein - Brunetti isst gerne und viel, da kommt beim Lesen schon mal ein Hungergefühl auf ;-)


Brunettis neuester Fall klang direkt vielversprechend: gestohlene Bücher bzw. Buchseiten, eine altehrwürdige venezianische Bibliothek… Die ersten Seiten flogen nur so dahin, ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Dass wir einige Kapitel warten müssen, bis „endlich“ gemordet wird und stattdessen in der Zwischenzeit viel Lokalkolorit und Gespräche über dieses und jenes zu lesen bekommen, hat mich nicht gestört – im Gegenteil, gerade diese scheinbaren Nebensächlichkeiten sind es, die ich bei einem Krimi von Donna Leon erwarte und auf die ich mich auch jedes Mal freue, packt sie doch gerade in (und zwischen!) diese Zeilen immer wieder tolle Geschichten und Feinheiten, Sozialkritik und kulturelle Seitenhiebe. Zugegeben: das muss man mögen, manch ein Leser wird sich vielleicht eher gelangweilt fühlen. 

Mich jedenfalls hat sie auf dieser Ebene dieses Mal wieder komplett zufrieden gestellt – mehr als mit dem eigentlichen Kriminalfall. Da konnte sie meiner Meinung nach den Spannungsbogen nicht so ganz aufrechterhalten. Mir wurden zu viele Fäden ausgelegt und nachher nicht ausreichend wieder aufgenommen. Einiges verlief einfach im Sande, manche Charaktere wurden eingeführt und waren plötzlich verschollen oder nicht mehr wichtig. Hätte Leon diese Charaktere genutzt, um den Leser geschickt auf eine falsche Fährte zu locken, hätten sie meiner Meinung nach mehr Sinn gehabt – so wirkten sie einfach nur wie ein Füllsel. Und auch die Auflösung des Falls kam dann recht abrupt, das Ende wirkte fast ein wenig abgehackt. 

So bin ich also ein wenig zwiespältig: einerseits fühlte ich mich gut unterhalten, die Story war schön und flüssig zu lesen, aber was den reinen Krimiplot angeht, war ich nicht wirklich „gefordert“, und der Aha-Effekt am Ende blieb dieses Mal auch aus. Für mich macht das unterm Strich 3.5 von 5 möglichen Punkten.



Bewertung: 3.5/5

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Mary Scherpe: An jedem einzelnen Tag

Als ich am Wochenende aus dem Urlaub kam, lag es ganz unverhofft auf dem Tisch: das erste Buch, das mir von einem Verlag als Rezensionsexemplar zugeschickt wurde :- ) Vielen Dank, liebe Rebecca von BasteiLübbe.

Und obwohl ich zu diesem Zeitpunkt seit über 24 Stunden wach und Jetlag-geplagt war und daher eigentlich „nur mal kurz“ einen Blick ins Buch werfen wollte, waren ruckzuck die ersten 50 Seiten weg gelesen. Das Buch ist kein Roman, kein Krimi oder Thriller, sondern aus dem echten Leben der Autorin gegriffen – und daher tausend Mal spannender, als es reine Fiktion je sein könnte.

Worum geht es? Mary Scherpe ist die Bloggerin hinter Stil in Berlin, außerdem auf Facebook, Instagram und Twitter aktiv  – wie so viele Blogger. Und natürlich lebt sie davon, dass ihre Kommentare und Bilder auf diesen Portalen gelikt, kommentiert und geteilt werden. Was seit Mitte Juni 2012 geschieht, geht jedoch weit über das hinaus. Zu diesem Zeitpunkt tauchen erste Konten bei Instagram, Foursquare, Twitter und Tumblr auf, die Namen tragen wie stillinberlin oder Marianne von Schelpe, und deren einziger Zweck es ist, die Posts von Mary Scherpe zu parodieren oder mit üblen Kommentaren zu versehen. Doch dabei bleibt es nicht lange. Es folgen belästigende SMS und Anrufe sowie zahlreiche Postsendungen – Webebroschüren, Produktmuster von Teppichen, Kunstrasen oder gar Ziegelsteinen, Babypakete und vieles mehr. Egal, ob sie in Berlin, Hawaii oder Wien ist: der Stalker weiß darüber Bescheid und findet Wege, sie zu belästigen.  

Mary Scherpe beschließt sich zu wehren, wendet sich direkt an die Betreiber der Social-Media-Seiten, an Anwälte und die Polizei. Geholfen wird ihr nirgends. Auch dann nicht, als sie bereits einen sehr konkreten Verdacht hat, wer hinter den Angriffen stecken könnte. Also beschließt sie, in die Offensive zu gehen, und ihren Stalker mittels eines eigenen „Stalking-Blogs“ ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Sie dokumentiert sämtliche Emails, SMS und Postsendungen, fotografiert alles akribisch ab, und stellt es schließlich online. Dadurch werden die ersten Medien auf sie aufmerksam, sie gibt unter anderem der Süddeutschen Zeitung ein Interview. Und natürlich merkt auch der Stalker, dass seine Aktionen nun für jedermann sichtbar sind.

Mehr will ich an dieser Stelle eigentlich auch gar nicht verraten und stattdessen eine dringende Leseempfehlung aussprechen. Mary Scherpe hat hier ein sehr mutiges und wichtiges Buch geschrieben, ein gleichermaßen eindrückliches wie beklemmendes, das einen stellenweise einfach nur fassungslos den Kopf schütteln lässt angesichts der Tatsache, dass es für Stalkingopfer in Deutschland quasi einem Glücksfall gleichkommt, wenn ihnen an irgendeiner Stelle kompetent geholfen wird. Das verdeutlichen zum einen die Geschichten, die Mary Scherpe von sich und anderen Betroffenen erzählt, zum anderen aber auch die nackten Zahlen: nur knapp 500 der jährlich etwa 25 000 Anzeigen führen zur gerichtlichen Verhandlung. Aus diesem Grund hat Mary Scherpe auch eine Petition an das Justizministerium aufgesetzt, die auf die Änderung des „Stalking-Paragraphen“ (§ 238 des Strafgesetzbuchs) abzielt. Ihr findet sie unter www.change.org/stalkingparagraf


Vielen Dank an Bastei Lübbe für das Rezensionexemplar – und danke an Mary Scherpe für dieses offene und intime Buch.


Bewertung: 5/5 

Montag, 6. Oktober 2014

Die Montagsfrage

Ihr Lieben,


heute melde ich mich mit der neuen Montagsfrage zurück aus dem Urlaub - wobei, dieses Mal müsste es eher eine "Montagsbeichte" sein. Die Frage von libromanie lautet: Wer ist euer liebster Hörbuchsprecher? 

Hm, nun ja, wie soll ich sagen: ich habe keine/n :-( Ich muss gestehen, dass Hörbücher ein Medium sind, das bisher völlig an mir vorbei gegangen ist. In meiner Kindheit habe ich es geliebt, mir Hörspiele anzuhören, stundenlang konnte ich das tun, ohne dass es mir irgendwann überdrüssig wurde - und ich denke genau da liegt der Knackpunkt. Hörspiele für Kinder haben verschiedene Sprecher, Hintergrundgeräusche, das ganze Pipapo, während Hörbücher für Erwachsene in der Regel von einem einzigen Sprecher "heruntergelesen" werden. Irgendwie überzeugt mich dieses Konzept bis heute nicht, da nehme ich mir das jeweilige Buch dann doch lieber selbst in die Hand.


Wie ist das bei euch?