Mittwoch, 3. September 2014

Neues aus der Reihe "Ich bin gegen Stuttgart 21 und werde noch lange nicht müde, darüber zu reden!"


Der erste Satz: Heute kann ich es laut sagen.
Wann und wo?
Nun ja – Stuttgart eben. Mal heute, mal zu vergangenen Zeiten.
Das Accessoire zum Buch: Brezel und Viertele ;-)

So, dann hole ich mal von drei Seiten aus, bis ich zum eigentlichen Punkt komme:
  1. Die Reihe „Gebrauchsanweisung für…“ vom Piper Verlag ist meiner Meinung nach mit das Beste, was es in Sachen Reiseliteratur gibt. Ich habe schon einige Titel aus dieser Reihe gelesen und wurde bisher nie enttäuscht.
  2. Die Romane von Elisabeth Kabatek habe ich (mit Ausnahme des aktuellsten, „Ein Häusle in Cornwall“) mit viel Freude gelesen. Protagonisten, Handlung, Lokalkolorit – da passt eigentlich alles, um ein paar unterhaltsame Lesestunden zu verbringen.
  3. Ich mag Stuttgart sehr, sehr gerne. Auch wenn ich (noch) außerhalb wohne, bin ich seit 10 Jahren dank Universität, Arbeitgeber und Freund beinahe täglich in der Stadt.


Nun zum Wesentlichen, denn ich sollte/wollte ja eigentlich rezensieren. Angefangen hat zwischen mir und diesem Buch alles ganz harmonisch und vielversprechend: der Inhalt gefiel, viele der Cafés, Restaurants und Orte, die die Autorin erwähnt, kenne ich und teile weitgehend ihre Meinung – so weit, so gut also. Bis Frau Kabatek dann jedoch anfing, die Stuttgart-21-Keule auszupacken und unaufhörlich durch die Seiten zu schwingen. Darüber hinaus schien sie dann auch zunehmend ihren eigentlichen Auftrag – eine einigermaßen heitere und Lust machende Gebrauchsanweisung für Reisewillige, Neuzugezogene oder Alteingesessene – aus  dem Blickfeld zu verlieren. Man kann im restlichen Deutschland von diesem Projekt und den Protesten drumherum halten, was man will: hier in Stuttgart polarisiert das Thema extremst und hat, was Gesprächsthemen angeht, inzwischen den gleichen Stellenwert wie Politik und Religion: beim Zusammentreffen mit unbekannten Menschen lieber nicht als Gesprächsöffner nehmen, der Schuss könnte sehr nach hinten losgehen. Man sieht ja bereits an diesen Zeilen, wie empfindlich auf dieses Thema reagiert werden kann.  

Frau Kabatek lehnt Stuttgart 21 ab, was sie nicht müde wird, im Buch zu erwähnen. Der Leser hat es zwar bereits nach der ersten entsprechenden Textstelle verstanden, aber Frau Kabatek gibt sicherheitshalber an gefühlten 48 nachfolgenden Textstellen Nachschlag. Das hat mir persönlich dieses Buch dann doch etwas vergrätzt, und was schön anfing, wurde zunehmend zum Ärgernis. Denn auch wenn es viele Stellen hat, die mir wirklich gut gefallen habe, bestand immer die Chance, dass ich beim Umblättern der nächsten Seite wieder eines mit der Keule übergezogen bekomme.

Das Thema ist der Autorin wichtig, was ja in Ordnung ist – aber meines Erachtens hätte es dem Buch gut getan, wenn alles rund um S21 in einem Kapitel gebündelt wäre, das man bei Bedarf überspringen kann. In einer Gebrauchsanweisung aus dem Piper Verlag will ich mich nicht seitenweise mit der politischen Grundhaltung der Autorin auseinandersetzen, sondern etwas über die jeweilige Stadt oder das Land erfahren: wo finde ich schöne Fleckchen, wo kann ich gut essen oder Kaffeetrinken gehen, wie ist die generelle Mentalität der Einwohner, was macht das Flair der Stadt aus etc. pp. Gerade für eine Stadt wie Stuttgart, die ja gerne mal pauschal abgewatscht wird, bevor man sich überhaupt mit ihr auseinander gesetzt hat, hätte man damit eine Lanze brechen können. Da ich selbst bereits Feuer gefangen habe, kann ich nicht beurteilen, inwiefern dies Frau Kabatek gelungen ist bei Leuten, die Stuttgart bisher nur vom Namen her kennen oder neu zugezogen und noch skeptisch sind.

Ich vergebe für dieses Buch 3 von 5 Sternen für tolle Ansätze und unterhaltsame Passagen, die dann jedoch von der Autorin selbst wieder kaputt gemacht werden.


Bewertung: 3/5

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