Mittwoch, 10. September 2014

J. Courtney Sullivan: Maine

Der erste Satz: Alice fand, dass es Zeit für eine Pause vom Packen war.
Wann und wo? 
Maine, Boston, New York und Kalifornien - hauptsächlich in der Gegenwart, aber es gibt auch zahlreiche Rückblenden.
Das Accessoire zum Buch: Ein Ferienhaus am Strand - hat doch sicher jeder von euch ;-) 

Die eigene Familie kann man sich bekanntlich nicht aussuchen, jeder Mensch hat so seine Leichen im Keller und oftmals hört man von Leuten, die „ein Päckchen zu tragen haben“ – in diesem Roman prallt all das aufeinander.

Worum geht es? Im Roman lernen wir vier Frauen der Familie Kelleher kennen: Alice, mit Anfang 80  die Matriarchin der Familie, ihre Tochter Kathleen, ihre Schwiegertochter Ann Marie und Enkelin Maggie. Alle vier werden dieses Jahr im Sommerhaus der Familie in Maine (US-Ostküste) zusammen kommen. Aber bis es soweit ist, liegt die Hälfte des Buches bereits hinter uns. Die Autorin nutzt die erste Hälfte des Romans nämlich ausgiebig, um uns die einzelnen Damen, ihre Sorgen und Ängste, ihr vergangenes und derzeitiges Leben nahe zu bringen. Das geschieht abschnittsweise jeweils aus der Perspektive der einzelnen Frauen heraus – und es ist unglaublich dicht, mitreißend und eingängig geschrieben. Man merkt, wie unterschiedlich die einzelnen Generationen ticken, wie sie an Probleme herangehen oder über das Leben denken, und welche Werte sie haben. Jede dieser Frauen hat oder hatte ihre Hindernisse zu überwinden, wurde mit Schicksalsschlägen oder zumindest Herausforderungen konfrontiert und ist auf ihre eigene Art und Weise besonders.

Obwohl das Buch sehr umfangreich ist und die Seiten klein und eng bedruckt sind, liest es sich sehr flüssig und rasch. Außerdem ist es ein Fest für jeden Küchentisch-Psychologen, denn die Strukturen und Abhängigkeiten innerhalb der Familie lassen sich so wunderbar vom Gelesenen ableiten, dass man von einem aha-Moment zum nächsten rutscht. Mir persönlich hat das großen Spaß gemacht und stellenweise gleichzeitig zum Nachdenken angeregt.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die nach einem Roman suchen, der sowohl Unterhaltung als auch eine Prise Tiefgang bietet, der einen mal schmunzeln lässt und dann wiederum nachdenklich stimmt. Meiner Meinung nach schafft J. Courtney Sullivan diese Gratwanderung super und hat mich mit „Maine

“ auch auf ihre anderen Romane neugierig gemacht.


Bewertung: 5/5

Kommentare:

  1. Da kann ich mich deine positiven Besprechung nur anschließen, auch ich fand das Buch ganz großartig. Ihren neuen Roman habe ich hier schon liegen und freue mich der auf die Lektüre. :-)

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    1. Den habe ich auch schon fest im Visier. Die Rezensionen, die ich bisher gelesen habe, klingen ähnlich begeistert wie die zu "Maine".

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